Irgendwo im hohen Norden: Die Schlangengrube

Man konnte ja nicht unbedingt behaupten, dass es geräumig war in der Zisterne. Das war auch durch das Trägergestell, das in ‚LEGO-Manier‘ zusammengebaut worden war, nicht wirklich besser geworden.

Trotzdem musste der Siedler wieder und wieder hinabsteigen, um seine Arbeiten zu vollenden. Seine Einstiegstechnik hatte er inzwischen so perfektioniert, dass ihn wohl jeder Schlangenmensch darum beneidet hätte. Aber das war nicht der einzige Grund, warum er seine Zisterne – oder sollte man inzwischen ‚Eisspeicher‘ dazu sagen? – bald liebevoll ‚Schlangengrube‘ nannte.

IIHN-Waermetauscher-2

Kabelbinder waren das perfekte Mittel, um den ‚Gemeinen schwarzen Solarrohr-Rippling‘ zu bändigen.

Als erstes entdeckte der ‚Gemeine schwarze Solarrohr-Rippling‘ seine neue Heimat. Diese Viecher waren ja sehr umgänglich und für den Menschen absolut ungefährlich, konnten aber trotzdem recht ungemütlich – gemein – werden, wenn man ihnen nicht von Anfang an ihre Grenzen aufzeigte. Glücklicherweise hatte Irgendwer, der mit diesem Gewürm schon öfter einen Strauß ausgefochten hatte,  den Siedler vorgewarnt und auf ein probates Mittel – den Kabelbinder – hingewiesen, der für die Zähmung dieser Gattung genau das Richtige war.

Mit besonderem Tüftler-Stolz hatte den Siedler seine einzigartige Flanschkonstruktion erfüllt, die er in durchgrübelten Nächten ersonnen hatte, um den alten, nicht besonders günstig gelegenen Zisternen-Zulauf professionell und wasserdicht abzuschließen.

IIHN-Flanschkonstruktion

Kaum wiederzuerkennen. Der alte Zulauf hatte sich vom hässlichen Frosch zum Prinzen gewandelt und verlieh dem Eisspeicher ein Flair von Hightech.

Er hätte eigentlich damit rechnen müssen, dass das eine weitere Gattung anzog, wie die Motten das Licht. Und es dauerte fürwahr nicht lange, bis die ‚Python Polyvenylchloridis‘, im Volksmund auch ‚Plastik-Python‘ oder einfach nur ‚PVC-Flexschlauch‘ genannt, ihren Weg durch die alten Rohrsysteme gefunden und bis in die Zisterne vorgedrungen war.

IIHN-Flexschläuche

‚Python Polivenylchloridis‘ oder ‚Plastik-Python‘. Jedes einzelne Tier dieser Gattung besitzt eine einzigartige Kopfform, die auch bei diesem Exemplar sehr extravagant ausgeprägt ist.

Aber auch darauf war der unerschrockene Siedler vorbereitet. Es bedurfte zwar etwas schwererer Geschütze – wie Quetschverschraubungen oder Schlauchschellen – um dieser Gesellen Herr zu werden, aber bald waren auch diese gebändigt.

IIHN-Luftschläuche

Kommt auch hin und wieder in Eisspeichern vor: die ‚Sechsköpfige Luftschlauchnatter‘.

Die ‚Sechsköpfige Lufschlauchnatter‘ wäre ihm ob ihrer zierlichen Gestalt schon gar nicht mehr aufgefallen, hätte sie sich nicht durch die blaue Signalfarbe ihrer Köpfe verraten.

IIHN-BlaueKöpfe

Unerkannt war sie in den Eisspeicher eingesickert. Aber die Signalfarbe ihrer blauen Köpfe, die sich erfrischend von dem tristen Grau-in-Grau des Eisspeichers abhob, hatte die ‚Sechsköpfige Luftschlauchnatter‘ verraten.

Als er auch den letzten dieser Köpfe widerstandslos am Trägergestell befestigt hatte, glaubte der Siedler diese Schlangenbrut nun endlich im Griff zu haben.

Was ihm bis dahin aber noch nicht bewusst war, war dass manche dieser Plastik-Pythons offensichtlich drahtige Parasiten hatten, die Ihre Wirte dazu benutzten, um Besitz vom Eisspeicher zu ergreifen …

IIHN-Flexschläuche-Innenleben

Die drahtigen Parasiten einiger Plastik-Pythons ergreifen Besitz vom Eisspeicher …

—————————————————————————
Die ganze Geschichte: ‚Irgendwo im hohen Norden‚ …

Irgendwo im hohen Norden: Der Eisspeicher

Und so war die Zeit gekommen, die Ärmel hochzukrempeln und das Konzept schrittweise in die Tat umzusetzen. Als Erstes stand die Zisterne auf dem Plan, die zum Eisspeicher umgebaut werden sollte.

Während Irgendwer in Pannonien noch an der Detailplanung tüftelte, begann der Siedler im hohen Norden schon einmal mit den groben Aufräumungsarbeiten in der Zisterne.

IIHN-Zisterne-Urzustand

Im Laufe der Jahrzehnte hatten die Wurzeln des urwaldartigen Baumbestandes nicht nur die Einstiegsluke überwuchert, sondern hatten ihren Weg durch die Verrohrung bis in die Zisterne gefunden …

Was auch immer die Beweggründe für die eigenwillige Architektur dieser Zisterne gewesen sein mögen, sie waren jedenfalls für die Ewigkeit in massive Betonwände gegossen und im wahrsten Sinne des Wortes zu unverrückbaren Voraussetzungen für dieses Projekt geworden.

IIHN-Zisterne-Architektur

Nachdem die Grundreinigung der Zisterne abgeschlossen war, offenbarte sich ihre ‚filigrane‘ Architektur im milden Schein der Grubenlampe. Ein besonderes Juwel war das monumentale Einstiegspodest.

Es dauerte nicht lange, bis der Detailplan als Grundlage für die weiteren Arbeiten fertig war. Trotzdem musste der Siedler an manchen Stellen noch selbst den Rechenstift zur Hand nehmen, um nicht ganz unwesentliche Variationen in der Zisternenhöhe – ein Erbe der Maurerkunst vergangener Jahrzehnte –  auszugleichen.

IIHN-Detailplan-Rechner

Bald schon begann in der Siedlerwerkstatt im hohen Norden die Kappsäge zu kreischen, um das Trägergestell für den Wärmetauscher zuzuschneiden.

IIHN-Siedlerwerkstatt-Kappsäge

Ein unverzichtbares Werkzeug für den Bau von LEO_2: Die Kappsäge. Im Hintergrund: Fein säuberlich der Größe nach sortiert und für den Aufbau vorbereitet: die Teilstücke für die Steher des Trägergestells.

Und dann ging es wieder hinab in die Tiefen der Zisterne. Problemlos konnten auch die längsten Teilstücke des Trägergestells durch den verwinkelten Einstieg in die Zisterne gebracht werden.

IIHN-Trägergestell-Bordeaux

Zugegeben: Dieses Kistchen hatte sicherlich schon edlere Materialien zum Inhalt. Aber es war auch ideal geeignet, um die kleineren Teilstücke des Trägergestells wohlsortiert in die Zisterne zu transportieren…

Beim Aufbau des Trägergestells bekam der Siedler dann unerwartete Hilfe von seinen Kindern, die das Zusammenstecken der Teilstücke nur trocken mit den Worten kommentierten:

‚Ist ja, wie Lego …‘

Und so spielte der Siedler mit seinen kleinen Helfern halt eine Partie ‚LEO_2-Zisternen-Lego‘ und konnte schon bald zufrieden das Ergebnis bewundern.

Trägergestell für den Wärmetauscher

Was dem Siedler zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht bewusst war, war dass er mit diesem Bauwerk einen fundamentalen Eingriff in das empfindliche Ökosystem der Zisterne vorgenommen hatte, der bestimmte Lebensformen magisch anzog …

Jenseits von Pannonien …

In der Erfinderwerkstatt herrschte geschäftiges Treiben.

Ein unerschrockener Siedler jenseits der pannonischen Landesgrenzen – im Lande des kahlköpfigen Herzogs – hatte sich entschieden, die Erfindung – das Wärmepumpensystem LEO_2 – auch in seine Siedlerhütte einzubauen.

Der kahlköpfige Herzog

Nachdem der Wassertank, der zukünftig sowohl als Eisspeicher als auch als Zisterne dienen würde, fertiggestellt war, musste im nächsten Schritt die Trägerkonstruktion für den Wärmetauscher im Eisspeicher vorbereitet werden.

Dazu benötigte man (1) PVC-Rohr, das in handlichen Stücken zu je 2 m geliefert wurde, (2) eine genau berechnete Menge von T-Stücken, mit denen die PVC Rohre zusammengefügt wurden, (3) etwas PVC-Kleber und (4) einen guten Plan, der die exakte Anzahl und Länge der benötigten Rohrstücke auswies.

PVC-Trägerkonstruktion: Zuschnitt

Nach einem genauen Plan, den Irgendwer ausgetüftelt hatte, wurden die PVC Rohre auf die exakte Länge zugeschnitten.

Im nächsten Schritt wurden die T-Stücke systematisch mit den Rohren verklebt, wodurch sich zunächst ein interessantes Sammelsurium von Teilstücken ergab.

PVC-Trägerkonstruktion: Verklebte Teilstücke

Teilstücke der PVC-Trägerkonstruktion – Bereit zum Aufbau.

Was für den Außenstehenden, wie ein IKEA Regal nach dem Auspacken aussah, hatte einige unschlagbare Vorteile:

  • Sämtliche Teile der Trägerkonstruktion bestanden aus korrosionsbeständigem PVC-Kunststoff, der außerdem gut und einfach bearbeitbar war.
  • Kein Einzelstück war länger als 2,5 m. Das vereinfachte sowohl den Transport als auch das Einbringen in den Wassertank durch die kleine 60 x 80 cm große Einstiegsöffnung.
  • Der Aufbau im Tank ging sehr rasch und ohne spezielles Werkzeug vonstatten – praktisch nur durch Zusammenstecken der Einzelteile.

Nun galt es, die Trägerkonstruktion an den Zielort zu transportieren, was aufgrund des geringen Gewichtes selbst mit dem kleinen Gefährt von Irgendwem problemlos möglich war.

PVC-Trägerkonstruktion: Transport

Transport der PVC-Trägerkonstruktion: Die langen Teile wurden aufs Dach geschnallt …

PVC-Trägerkonstruktion: Transport

… und die kleineren Teile fanden locker im Kofferraum Platz.

Am Zielort angekommen war die meiste Arbeit das Abladen und das Hinunterschaffen der Teile in die Zisterne. Das Aufstellen der Konstruktion war aufgrund der generalstabsmäßigen Vorbereitung innerhalb kürzester Zeit erledigt.

PVC-Trägerkonstruktion-Wärmetauscher-Tank

Selbsttragende PVC-Trägerkonstruktion für die Verlegung des Wärmetauschers im Eisspeicher.

Bereit für den nächsten Schritt, das Einziehen des Wärmetauschers

Fette Ernte (2)

Technische Innovationen sollen auch optisch ansprechend sein. Dies zeigt sowohl der futuristische Detektor des Large Hadron Collider (CERN) …

CMS-Detektor des LHC (Wikimedia)

CMS-Detektor des LHC (Wikimedia)

… als auch die Steampunk-Ästhetik von Edison’s Generator:

DMM 18326 Edison-Dynamomaschine

Von Thomas Edison 1879 gebauter Generator, er konnte ca. 80 Glühlampen versorgen. (Wikimedia)

Auch die stichprobenartigen Umfragen unter anderen Siedlern (SiedlerInnen) zeigten, dass die ästhetische Anmutung der Erfindung eine entscheidende Rolle spielt. Motiviert durch die Kommentare Kanadischer Siedlerfreunde (‚I think the solar collector has aesthetic appeal!‘) empfinden Irgendwer und Elkement die raffinierte Kombination von schlichtem Schlauchkollektor und wilder Natur als sehr stilvoll:

Kollektor und Tomaten

Die Abschirmung der Sonnenstrahlung stellt keinen Verlust dar, da im Sommer mehr als genug Energie allein durch die Umgebungsluft geliefert wird. Außerdem wird der Tank durch den umgebenden Boden erwärmt.

Im Winter ist das Angebot an Strahlung gering; im Sommer wird das Angebot nicht ausgenutzt, d.h. die Sole-Umwälzpumpe wird abgeschaltet, weil der Tank bereits warm genug ist. Die Sonnenstrahlung liefert somit – unter typischen Bedingungen – (nur) ca. 1/8 der Kollektor-Energieernte. Der Rest wird durch Konvektion aus der Umgebungsluft entnommen. Dies wurde durch Simulationsrechnungen des Elkements bestätigt (die mit einer Software durchgeführt wurden, die zu Unrecht den Ruf eines Tortendiagramm-Erzeugungs-Tools für Controller hat).

Steht weniger oder keine Strahlung zur Verfügung – z.B. aufgrund von Verschattung – muss die gesamte Energie durch Konvektion geerntet werden und die Solepumpe läuft daher länger. Insgesamt wird pro Jahr fast die gleiche Energie aus dem Kollektor gewonnen.

Nur in extremen Kälteperioden muss die fehlende Strahlung durch vermehrte Eisbildung kompensiert werden – das maximal erreichte Eisvolumen wäre daher ohne Strahlung etwas größer.

Kollektor und Tomaten

Irgendwers üppig wuchernde Tomaten stellen auch einen Härtetest für die statische Belastung des Kollektors dar – und demonstrieren den Zusatznutzen des Kollektors als Tomatenspalier.

Glücklicherweise dürften auch hohen Dosen von Tomaten nicht schädlich, sondern eher sehr gesundheitsfördernd sein. Sonst wäre die insgesamt zu erwartende Ernte besorgniserregend:

Tomaten und Kollektor

Dieses Bild zeigt auch, dass:

  • im Siedlergarten in vorbildlicher Weise ökologisch gewirtschaftet wird und kein Trinkwasser ver(sch)wendet wird.
  • die mögliche Nutzung des Tanks als Regenwasser-Zisterne hier noch nicht zur Anwendung gekommen ist.