Eine Tragödie!

Das würde sich Irgendwer nie verzeihen können! Es war doch nur ein kurzer Augenblick der Unachtsamkeit gewesen. Vielleicht hätte er es sich überhaupt sparen sollen, die Wiese jetzt schon mit der Sense zu mähen. Aber nun war es zu spät und das Unheil war angerichtet.

Sensenmann

Mit dem Mähen der Wiese nahm das Unglück seinen Lauf …

Es waren auch nur wenige Zentimeter gewesen, die er zu weit ausgeholt hatte, und wenn die allgemeine Verfassung vom Wurzelsepp noch etwas besser gewesen wäre, hätte ihn das vielleicht nur umgeworfen, aber doch nicht gleich …

Doch so passieren Unglücke nun einmal.

“TOCK” ein dumpfes Knacken splitternder Keramik und Irgendwer wusste sofort, was das zu bedeuten hatte. Obwohl er das grauenvolle Ausmaß seiner Tat schon erahnte, zwang er sich trotzdem, sich umzudrehen und der bitteren Wahrheit ins Auge zu blicken.

Wurzelsepp: Schwer verletzt

Wurzelsepp: tödlich verletzt mit einem Schädel-Hirntrauma …

Und tatsächlich, da saß er vor ihm, der schwerstverletzte Wurzelsepp. Die Sense hatte ihn mit aller Wucht an der rechten Gesichtshälfte getroffen und ihm den halben Schädel weggefetzt.

Schwer getroffen sank Irgendwer vor dem sterbenden Wurzelsepp in die Knie. Und während er mit aller Macht gegen die Tränen ankämpfen musste, liefen die unvergesslichen Erlebnisse mit seinem treuen Kameraden – dem Wurzelsepp – im Zeitraffer vor seinem geistigen Auge ab.

Hatte der Wurzelsepp bei den schlimmsten äußeren Bedingungen tapfer ausgeharrt und seine lebensgefährliche Mission erfüllt, so war ihm nun, in einem lauen Sommerlüftchen völlig unerwartet die Unachtsamkeit von Irgendwem zum Verhängnis geworden.

“Was soll’s!”, Irgendwer gewann seine Fassung wieder, “Irgendwann gehen wir alle den Weg alles Irdischen!”. Der Wurzelsepp hatte ein schönes und erfülltes Leben gehabt und war – wie es so seine Art war – mit einem stoischen Lächeln im Gesicht abgetreten …

Ein Frühlingsspaziergang …

Mit Schaudern erinnerte sich Irgendwer zurück an seine lebensbedrohliche Mission, die er im Dienste der Wissenschaft unternommen und mit einer Riesenportion Glück und eisernem Durchhaltevermögen doch noch unbeschadet überstanden hatte …

Auf ein Neues ...

Heute, in der wärmenden Frühlingssonne, würde das Messen zum Spaziergang werden …

Heute – nur eine Woche später – sah die Sache schon ganz anders aus! Ein kurzer Blick reichte, um mit seiner jahrelangen Erfahrung die Situation richtig einzuschätzen. Ein Jäckchen und leichtes Schuhwerk würden reichen. Kurz überlegte er sogar, ob er gegen das ungewohnte Sonnenlicht wohl eine Sonnenbrille aufsetzen musste …

Frühlingsspaziergang zum Messpunkt

Der Schnee war fast vollständig verschwunden – hinweggerafft von der schon sehr kräftigen Frühlingssonne.

Doch nachdem sich seine Augen an das gleißende Sonnenlicht gewöhnt hatten, war der Weg zum Messpunkt dieses mal enttäuschend einfach. Fast wehmütig dachte er an seine Expedition zurück, die noch wirkliche Männer gefordert hatte!

Kollektor in der Frühlingssonne

Fast enttäuschend: Selbst für die dümmste Memme wäre es kein Problem gewesen, bei diesen Bedingungen den Messpunkt zu finden und die Messung durchzuführen …

Wo er letzte Woche noch orientierungslos und verzweifelt im knietiefen Schnee nach dem Messpunkt gesucht hatte, bot sich heute wieder ein vertrautes Bild.

Obwohl der harte Winter dem Wurzelsepp stark zugesetzt hatte, lächelte er fröhlich und zufrieden, wie immer.

Wurzelsepp

Fröhlich und zufrieden unterstützte Wurzelsepp Irgendwen beim Messen. – Obwohl das heute gar nicht notwendig gewesen wäre…

„Der Winter ist tot! Es lebe der Frühling!“

dachte sich Irgendwer, und hoffte, dass er sich nicht täuschte …

Eine kleine Expedition …

Der Auftrag war klar. Irgendwer musste die wöchentliche Messung des Temperaturverlaufes im Erdboden vornehmen. So widrig die äußeren Verhältnisse auch waren, es konnte nicht sein, dass der trotzige pannonische Winter diese so wichtige wissenschaftliche Mission vereitelte!

Auftrag: Messen!

Der Auftrag war klar! Wie jede Woche musste das vertikale Temperaturprofil im Erdboden vermessen werden …

Entschlossen schlüpfte Irgendwer in seine dickste Jacke. Warme Socken in gut geschnürten Schuhen. Da konnte fast nichts mehr schiefgehen. Verwegen warf er dem Elkement einen letzten Blick zu, bevor er mit grimmiger Miene in die winterliche Kälte hinaus stapfte.

Am Beginn der Expedition

Fast unüberwindlich erschienen Irgendwem die unglaublichen 30 Meter Schneewüste, die ihn vom Ziel seiner Mission trennten …

Ganze 30 Meter trennten Irgendwen von seinem Ziel. 30 Meter durch knietiefen Schnee. 30 Meter durch beißende Kälte. 30 Meter Kampf mit dem inneren Schweinehund …

Und dann, als er sich schon am Ziel wähnte: WhiteOut!

WhiteOut

Was er nur aus Erzählungen kannte, brach nun unerwartet und mit aller Wucht über ihn herein: Wenn er in dem gefürchteten WhiteOut die Orientierung verlor, konnte das das Ende seiner Expediton bedeuten und zur Gefahr für Leib und Leben werden …

So musste sich Roald Amundsen auf seinem Weg zum Südpol gefühlt haben! Dem Ziel so nah, und doch konnte diese Laune der Natur seine Mission in letzter Minute vereiteln.

Ruhe bewahren! Jetzt kam Irgendwem zugute, dass er dieses entlegene Gebiet wie seine Westentasche kannte. Trotzdem musste er sein ganzes archäologische Geschick aufwenden, um die Messpunkte unter den tiefen Schneewehen zu finden und mit aller Vorsicht auszugraben.

Hilfe vom Wurzelsepp

Nur mit der Unterstützung vom Wurzelsepp konnte Irgendwer seine Mission zu einem guten Ende bringen …

Unerwartet kam ihm Wurzelsepp zur Hilfe, der mit Ausdauer und stoischer Ruhe – wie es so seine Art war – die Messstation bewacht und Irgendwen letztlich zur richtigen Stelle geführt hatte. Mit klammen Fingern brachte Irgendwer die Sensoren in Position und konnte am Ende die so wichtigen wissenschaftlichen Daten gewinnen.

Der Rückweg war ein Kinderspiel. Er brauchte nur seinen eigenen Fußstapfen zu folgen, sodass er noch vor Einbruch der Nacht die wärmende Siedlerhütte wieder erreicht hatte …

„Danke, Winter,  für dieses einmalige Erlebnis! Und danke auch für die Dachlawine, die mir beim Schneeschaufeln in den Nacken gerutscht ist!“

dachte sich Irgendwer

„Owa jetzt, bitte, schleich di endlich!“