Raspberry Pi als Modbus-Server – ein Universalübersetzer für die UVR16x2

Seit Irgendwessen heroischem Umbau des Heizraums sind sie glücklich auf diesem hochprofessionellen Schaltbrett vereint – die diversen Geräte am CAN-Bus und der Raspberry Pi:

Dieser Anblick hat die Datenkrake inspiriert! Im Gegensatz zur fleißigen UVR16x2 langweilte sich der Raspberry Pi – alle paar Minuten die Daten der Wärmepumpe von deren CAN-Bus loggen war nicht Herausforderung genug.

Es war Zeit, einige langjährige Vision umzusetzen:

Wärmepumpen-Daten auch in der UVR. Hin und wieder wurden die Siedler gefragt, warum sie die Daten der Stiebel-Eltron WPF7 basic nicht einfach direkt in die UVR loggen -‚Ist ja alles CAN-Bus!‘. Nicht ganz: Wie andere Netzwerkprotokolle gibt es auch hier verschiedene Schichten und auf der obersten (Applikations-)Ebene spricht die UVR canopen  und die Wärmepumpe eine proprietäre Variante.

Außerdem sind selbst die Siedler als furchtlose Tüftler etwas vorsichtig damit, den internen CAN-Bus der Wärmepumpe zu verbinden mit dem anderen CAN-Bus auf dem mittlerweile ja Einiges los ist. Man macht ja so seine Erfahrungen mit Geräten, die sich durch theoretisch harmlose Netzwerkpakete anderer gestört fühlen.

Aber was wäre, denn der Raspberry Pi die über den CAN-Bus geloggten Daten selbst wieder ‚auflegen‘ könnte – über ein Protokoll, dass die UVR versteht?

Der Klassiker – Photovoltaik und Eigenverbrauch: Die Datenkrake ermittelt schon lange Kenndaten wie z.B. den PV-Direktverbrauch oder den Haushaltsstrom ohne Wärmepumpe – das war aber bis jetzt nur auf Tagesbasis möglich, da die diversen Logger unterschiedliche Logging-Zeitpunkte und -Intervalle verwenden. Die bisher gezeigten Tagesgänge waren einfach übereinander gelegte Kurven mit unterschiedlichen Zeitwerten.

Es wäre also schön aus aktuellen Daten von Wechselrichter, Zähler und UVR16x2 eigene Werte berechnen zu könne – im Minuteninterval.

Der Fronius-Symo-Wechselrichter unterstützt Modbus – die Siedler loggen die aktuelle PV-Leistung über diesen Weg ‚in das CMI‘ bzw. die UVR. Der Zähler der Siedler hat aber ’nur‘ eine Weboberfläche und bietet die Daten in strukturierter Form über JSON an. Das CMI unterstützt zwar JSON, aber nur ‚in die andere Richtung‘: Man kann Daten der neueren Geräte von Technische Alternative über JSON vom CMI abfragen.

Was wäre, wenn der Raspberry Pi die JSON-Daten so aufbereiten könnte, dass das CMI sie lesen kann?

Kommunikation auch in die andere Richtung. Für manche Berechnungen braucht der Raspberry Pi auch Input von der UVR – d.h. die UVR16x2 muss z.B. die aktuelle Kompressorenergie an den Pi ’senden‘. JSON am CMI ist dafür nur bedingt geeignet, da Daten nur maximal 1x pro Minute abgerufen werden dürften.

Leider ist die hier mühsam aufgebaute Spannung schon verpufft – im Titel steht schon die Lösung:

Der Rasperry Pi arbeitet als Modbus Server (bzw. ‚Slave‘)! Daten werden von anderen Loggern über deren Protokolle geholt, z.B,. über JSON vom Smart Meter oder über Modbus vom Wechselrichter. Diese Daten werden vom Pi auf eigenen Modbus-Registern zur Verfügung gestellt. Zusätzlich werden Werte berechnet – wie der PV-Direktverbrauch – und ebenfalls ’serviert‘.

Das CMI arbeitet als Client (bzw. ‚Master‘) und holt die Daten vom Rasperry Pi ab. Für das Datenlogging in das CMI-Logfile und die eventuelle Nutzung als Signal für Aktionen der UVR ist wieder das Fenster-raus-Türe-rein-Spielchen mit Roundtrip über den CAN-Bus erforderlich.

Damit arbeitet der Pi als ein universeller Protokollübersetzer zwischen den Loggern.

Auch bei der Kommunikation ‚in die andere Richtung‘ ist das CMI der Client. Die Kompressorleistung wird nicht auf einem Register des CMI serviert, sondern das CMI schreibt diese Daten in ein Register des Modbus-Server am Pi. Spätestens an der Stelle sollte man vielleicht auch ein wenig paranoid werden und sicherstellen, dass sich das alles nur in einem selbst kontrollierten Netzwerk abspielt. Bei Modbus gibt es nämlich Null Security.

Umgesetzt hat die Datenkrake das mit der Python-Programmbibliothek pymodbus: Der eigentliche Modbus-Server läuft in einem eigenen Thread; die Daten werden in einer unendlichen Schleife von den anderen Loggern geholt und bearbeitet – und dann werden die Register mit den Ergebnissen befüllt.

Am CMI werden Modbus-Eingänge erstellt für alle zu loggenden Werte – Zähler EM210, Wärmepumpe, berechnete Werte …

…und Ausgänge für die Werte, die in die andere Richtung ‚gesendet‘ werden:

Sind dann die entsprechenden CAN-Ausgänge am CMI und Netzwerkvariablen an der UVR eingerichtet …

… steht dem Mitfiebern über Winsol nichts mehr im Wege!

Aber man sollte auch kurz einmal innehalten und sich andächtig den Fluss der Messdaten der Wärmepumpe selbst vorstellen. Die geloggten Heißgastemperaturen z.B. …

… fließen über folgende Stationen:

  • Interner CAN-Bus der Wärmepumpe
  • CAN-Sniffer-Board des Raspberry Pi
  • Register des Modbus-Server des Raspberry Pi
  • Modbus-Eingang am CMI
  • CAN-Ausgang am CMI
  • CAN-Eingang an der UVR16x2
  • Loggingplatz am CMI für diesen CAN-Eingang

Für die lebenswichtigen, kritischen Steuerungssignale würden die Siedler diese Vorgangsweise nicht unbedingt empfehlen 🙂

Eine Frage der Perspektive …

Die Heizung seiner Siedlerhütte mit LEO_2 machte Irgendwem schon lange kein Kopfzerbrechen mehr. War es früher vielleicht einmal spannend gewesen, wie lange der Eisspeicher ausreichen würde, hatte sich über die Jahre hinweg  herausgestellt, dass es wohl die Ausnahme war, dass sich im Winter größere Eismengen in seinem ‚Eisspeicher‘ bildeten.

Blubber-3-Klippe

Das hatte mehrere Gründe.

Zum einen waren – von einigen vereinzelten Kälteperioden abgesehen – die vergangenen pannonischen Winter sehr mild gewesen. Und wie es aussah, würde das wohl noch eine Zeit lang so bleiben

Zum anderen hatte Irgendwer Hydraulik und Regelungslogik ursprünglich so ausgelegt, dass sie jede nur verfügbare Kilowattstunde an Umweltenergie aus dem Kollektor, die nicht direkt verheizt wurde, in den Eisspeicher leitete, um so seinen Wärmevorrat zu vergrößern.

(3) Wärmepumpensystem LEO_2 Oktober

Hingegen hatte er die Kühlung im Sommer bisher nur als ein ‚Nebenprodukt‘ gesehen. Mit dem, was an Kälte im Eisspeicher halt noch übrig war, hatte er seine Siedlerhütte im Sommer ein wenig ‚passiv‘ gekühlt. Aber während das Heizen im Winter einfacher wurde, kam die passive Kühlung im Sommer zusehends an seine Grenzen.

„Zeit also, die Perspektive zu ändern! …“

… hatte sich Irgendwer schon vor einiger Zeit gedacht, und begonnen, darüber zu tüfteln, wie er mit seiner Kältepumpe mehr Kühlvorrat anhäufen und in den Sommer hinein retten konnte.

Eisformationen-im-Eisspeicher

Der Holzhammer-Ansatz der Eisspeicher Challenge wäre dafür zu grob gewesen, weil er damit die Effizienz (=hohe Arbeitszahl) bei der Heizung hätte opfern müssen. Da war schon mehr die feinere Klinge gefragt!

Eine kleine Änderung in der Hydraulik, die er dazu benötigte, hatte er gleich im Zuge seiner Heizraum-Renovierung umgesetzt.

IB2-I-Schaltung-Nimmt-Gestalt-an

Die weit größere Herausforderung war aber die Bewältigung mehrerer Mutantenprobleme in der Regelungslogik gewesen. Unglaublich, wieviele zusätzliche Betriebszustände man für die Anlage berücksichtigen musste, wenn man doch nur so einen klitzekleinen zusätzlichen Mischer eingebaut hatte.

perspektive-uvr16x2

Aber es war ja nicht das erste Mal, dass er seine UVR16x2-Regelungs-Trickkiste bemühen musste. Und so lief jetzt, mitten in der Heizsaison, die Logik zur ’sanften Konservierung‘ des Eisvorrates an.

Ob er alle Mutantenprobleme gefunden und gelöst hatte, würde er aber erst in paar Monaten mit endgültiger Sicherheit wissen 😉 …

Das Mutantenproblem

Irgendwer konnte sich nicht mehr genau erinnern, wie es zu diesem Namen gekommen war, der sich inzwischen tief in der Siedlersprache verwurzelt hatte.

Aber er konnte sich sehr gut vorstellen, dass dieses Problem bereits mit der Mutation des Affen zum Menschen und der damit verbundenen Verwendung von Werkzeugen entstanden war. Das Mutantenproblem begegnete ihm quer durch alle Lebensbereiche und Gesellschaftschichten inzwischen so häufig, dass er zum Schluss gekommen war, dass eine bestimmte Gen-Sequenz dafür verantwortlich sein musste…

Ein Mutantenproblem liegt dann vor, wenn von genau zwei Möglichkeiten genau die falsche gewählt wird.

EIN statt AUS, AUF statt ZU, LINKS statt RECHTS, IM statt GEGEN den Uhrzeigersinn, VORLAUF statt RÜCKLAUF, aber auch NORMAL statt INVERS.

Die Wahrscheinlichkeit, das Falsche zu machen, ist beim Mutantenproblem zwar ’nur‘ 50%, die Auswirkung ist aber fatal (‚doppelt falsch‘), weil man nämlich exakt das Gegenteil davon erreicht, was man eigentlich will.

Die Heizungstechnik ist ein Eldorado für Mutantenprobleme.

MP-Feuer

Am Anfang war das Feuer: Es brannte oder nicht, was in einem unmittelbaren untrennbaren Zusammenhang mit WARM und KALT stand – Irrtum ausgeschlossen. Da war die Welt noch in Ordnung:

  • Feuer brennt =  WARM

Dann kam die ‚Zentralheizung‘.

MP-Kessel

Das Feuer brannte im Kessel und Heizungswasser wurde WARM über den VORLAUF in den Heizkreis transportiert und kam KALT über den RÜCKLAUF zurück. Wenn VORLAUF und RÜCKLAUF vertauscht wurden, war das noch nicht wirklich schlimm, weil der Heizkörper am anderen Ende auch so irgendwie seinen Dienst tat.

Doch dann kam der Mischer. Mit ihm die Regelung der Vorlauftemperatur und die Explosion der potenziellen Mutantenprobleme:

(1) Hydraulik: AUF / ZU.

MP-Mischer

AUF bedeutet für den Mischer, dass die Verbindung zwischen Kessel und Heizkreis OFFEN, also der Vorlauf WARM ist:

  • Hydraulik: Mischer = AUF
  • Vorlauf = WARM

(2) Stellmotor Drehsinn: IM / GEGEN den Uhrzeigersinn.

MP-Stellmotor

Die hydraulischen Positionen AUF / ZU werden durch den Stellmotor des Mischers automatisch angefahren, indem der Motor den Drehschieber im Mischer nach RECHTS (IM Uhrzeigersinn = CW (Clockwise)) oder LINKS (GEGEN den Uhrzeigersinn = CCW (Counter Clockwise)) dreht. Also:

  • Stellmotor Drehrichtung  = CW
  • Hydraulik: Mischer = AUF
  • Vorlauf = WARM

(3) Stellmotor: elektrischer Anschluss

MP-Spannung

Der Stellmotor braucht Strom, wobei jede der beiden Drehrichtungen ihren eigenen elektrischen Anschluss (EIN / AUS) hat:

  • Stellmotor Anschluss CW = SPANNUNG EIN
  • Stellmotor Drehrichung = CW
  • Hydraulik: Mischer = AUF
  • Vorlauf = WARM.

(4) Regler Ausgang: EIN / AUS.

MP-Regler

Der Stellmotor ist elektrisch mit zwei Reglerausgängen verbunden (einer für AUF und einer für ZU). Der Regler versorgt einen Ausgang mit Spannung, indem er den Ausgang auf EIN schaltet. Manche Reglerausgänge haben aber zwei Möglichkeiten, das Kabel anzukemmen: NO (= Normal Open = SCHLIESSER) und NC (Normal Closed = ÖFFNER). Also, für den Fall NO:

  • Reglerausgang A1 = EIN  (A2 = AUS)
  • Ausgang A1 NO = SPANNUNG EIN
  • Stellmotor Anschluss CW = SPANNUNG EIN
  • Stellmotor Drehrichung = CW
  • Hydraulik: Mischer = AUF
  • Vorlauf = WARM.

(5) Regelungslogik: NORMAL / INVERS.

MP-Reglerlogik

Der Regler schaltet die Ausgänge gemäß der im Regler programmierten Logik, wobei es (zumindest bei der UVR16x2) für die Mischersteuerung die Möglichkeit gibt, über den ‚Modus‘ die Regelungslogik noch einmal umzudrehen. Also:

  • Regelungslogik: Modus = NORMAL
  • Reglerausgang A1 = EIN  (A2 = AUS)
  • Ausgang A1 NO = SPANNUNG EIN
  • Stellmotor Anschluss CW = SPANNUNG EIN
  • Stellmotor Drehrichung = CW
  • Hydraulik: Mischer = AUF
  • Vorlauf = WARM.

Damit gibt es nur für dieses klitzekleine Beispiel eine besorgniserregende Anzahl von Möglichkeiten, in ein Mutantenproblem zu laufen. Man stelle sich nur vor, der WARME VORLAUF ist LINKS (statt RECHTS) vom KALTEN RÜCKLAUF. Oder: die Leitungen vom Kessel kommen von OBEN statt von UNTEN zum Mischer. Wie muss dann der Mischer eingebaut werden? Und wie muss dann die Drehrichtung des Stellmotors sein?

So wird die Wahrscheinlichkeit verschwindend klein, auf Anhieb wirklich alles richtig zu machen. Das dürfte wohl der wahre Grund dafür sein, warum man am Ende der Mutanenproblem-Kaskade ohne großem Aufwand in der Regelungslogik noch einmal von NORMAL auf INVERS umschalten kann 😉 .

Wer aber glaubt, das war jetzt schon alles – weit gefehlt!

Denn dann kam die Wärmepumpe!

MP-Waermepumpe

Und mit ihr zerbröselte der Glauben, dass VORLAUF immer gleich WARM bedeutet. Denn Wärmepumpen haben auch einen Solekreis, der sich genau umgekehrt zum Heizkreis verhält. Und: Wärmepumpensysteme können auch kühlen, was den HEIZKREIS zeitweise in einen KÜHLKREIS verwandeln kann, sodass:

  • Hydraulik: Mischer = AUF
  • Vorlauf = KALT (!)

Ihr müsst jetzt stark sein! Die Welt ist voller Mutantenprobleme und keiner ist davor gefeit!

Irgendwer bastelt: Habe fertig!

Klick … … Klack … Brummmmm … Wie Musik klang diese vertraute Einschaltsequenz in seinen Ohren, als sich die Wärmepumpe nach einer langen Sommerpause mit einem kräftigen Lebenszeichen zurückmeldete – wie wenn nichts gewesen wäre. Sie hatte ja auch nur gepennt, während Irgendwer so manches Abenteuer im Heizraum und Umgebung überstehen musste.

Eigentlich wäre es schon zwei Tage früher – an jenem Samstag – soweit gewesen. Aber alles der Reihe nach …

Zunächst hatte Irgendwer so eine Art 15er-Puzzle zu lösen gehabt, in dem er alle (nicht gerade federleichten) Komponenten in Abhängigkeit der einzelnen Renovierungsschritte (möglichst nur einmal) im Heizraum hin und her verschieben musste.

IB2-Notbetrieb

Leitungsverläufe wurden optimiert und Mauerdurchbrüche neu gesetzt …

IB2-Mauerdurchbruch

Unzählige Rohrverbindungen wurden gelötet, geklebt oder mit Hanf eingedichtet. Zeitweise kam sich Irgendwer vor, wie in einer Waffenschmiede.

Von der Basisvariante für den Räuber Hotzenplotz …

IB2-Basis-Hotzenplotz

… bis zum High-End Modell für die Men in Black war da alles dabei …

IB2-High-End-MIB

I-Diagramme wurden gewälzt …

IB2-I-Diagramm

… und in die Tat umgesetzt.

IB2-I-Schaltung-Nimmt-Gestalt-an

Bald hatten sich auch ein Kiebitz eingefunden, der neugierig die Vorgänge im Heizraum beobachtete, sich aber glücklicherweise mit Klugscheißer-Kommentaren zurückhielt …

IB2-Kiebitz-Thekla

Dann waren schließlich alle Rohrverbindungen geschlossen, mussten aber vor dem Befüllen noch auf Dichtheit geprüft werden. Zeit für eine typische ‚Irgendwer-Erfindung‘: Aus einem alten Fahrradschlauch und einer Schraubkappe wurde flugs ein Anschluss für die Luftpumpe gebastelt, um den Heizkreis auf den Prüfdruck aufpumpen zu können 😉 …

IB2-Druckprüfung2

IB2-Druckprüfung

Dann waren alle Leitungen gefüllt.

Nicht aber, ohne den neuen Heizraum zuvor noch einmal kurz in einem Solebad zu taufen. Denn bei aller Dichtheitsprüfung war Irgendwer nicht schlau genug gewesen, um vor dem Füllen auch wirklich alle Ventile zu schließen …

Nach den Rohren kamen die Kabel. Auch nicht wenige.

Die Regelung musste sich nicht länger mit ihrem Brettchen begnügen. Angesichts der neuen Aufgaben, die auf sie warteten, hatte sich Irgendwer nicht lumpen lassen und ihr ein richtig feudales Brett spendiert!

IB2-Brett-für-UVR

Ja und dann war er endlich da, jener Samstag Abend, an dem Irgendwer sein Werk vollendet hatte. Nachdem er gefühlte tausend Kabel neu gezogen und angeschlossen hatte, wollte er nun endlich die Wärmepumpe wieder brummen hören. Die Sonne verabschiedete sich gerade mit ihren milden Spätsommerstrahlen am Horizont. Alle Baumärkte hatten bereits geschlossen und das Wochenende war endgültig gekommen.

Ein erhebender Moment, um den Erfolg zu genießen! So drehte irgendwer voller Erwartung die Haupt-Sicherungen wieder hinein.

Es war nur ein sanftes ‚Brrzzz …‘ mit dem gleich zwei Sicherungen ihren Zweck erfüllten. – Und das zum absolut besten Moment! Wochenende und  keine Ersatzsicherungen im Haus …

IB2-Sicherungen

Was ihm ein unerwartetes Candle-Light Dinner bescherte. Und genügend Zeit, um den Kurzschluss zu beseitigen, den er eingebaut hatte …

Keine Frage, wohin sein erster Weg am frühen Montag Morgen führte 😉 !

IB2-Heizraum-neu

Und dann brummte sie endlich…!

Alte Heizung – Neue Regelung: Phase 2 – Programmierung

Die Rahmenbedingungen waren abgesteckt. Nun galt es, der bestehenden Heizungsanlage eine neue Intelligenz einzuhauchen, also zuallererst einmal alle Sensorsignale richtig zu verstehen.

Sensor

Irgendwem erschien es manchmal so, als wäre es eine Frage der Ehre für jeden Heizungshersteller, seinen eigenen Sensortyp zu verwenden. Umsomehr wusste er es zu schätzen, dass er auch diesen Exoten (NTC 5kOhm) in der Auswahlliste für mögliche UVR16x2-Sensoren wiederfand.

Sensor-Eingang-NTC

Aber auch das Ansteuern der Anlage, stellte ihn vor keine großen Schwierigkeiten:

Da noch keine hochgezüchteten elektronisch geregelten Pumpen eingebaut waren, war es neben einem simplen EIN/AUS auch möglich, TRIAC-Ausgänge der UVR16x2 für die Drehzahlregelung zu verwenden.

Auch die eingebauten automatischen Ventile und Heizungsmischer hörten – wie es sich gehört – auf Ein/Aus Signale mit 230V.

Einbindung-Mischer-Bestand

Einbindung und Ansteuerung des bestehenden Heizungsmischers

Und obwohl schon etwas betagt, hatte der Heizkessel einen potentialfreien externen Anforderungskontakt, über den er von der UVR16x2 direkt ein- und ausgeschaltet werden konnte.

Einzig der elektrische Heizstab, der im Warmwasserspeicher eingebaut war, erforderte ein zusätzliches Schütz, das über 230V von der UVR angesteuert werden konnte und das Schalten der hohen elektrischen Leistung übernahm.

Etwas kniffliger wurde es schon mit der Regelungslogik. Denn neben der Steuerung der nicht ganz alltäglichen Hydraulik sollten auch die Schwächen der alten Regelung ausgebügelt werden. Und um spezielle Anforderungen zu erfüllen, musste Irgendwer manchmal schon recht tief in seine Trickkiste greifen …

Regelungslogik

Die grafische Darstellung der Verknüpfung von Funktionsbausteinen im Programmiertool TAPPS war überaus hilfreich, um den Überblick über die Regelungslogik nicht zu verlieren…

Parallel zur Programmierung hielt Irgendwer alle relevanten Einzelheiten vom Hydraulikschema, über die Belegung der Ein-/Ausgänge, die Verdrahtung der Komponenten bis zur Regelungslogik in einem Handbuch fest. Denn der Besitzer sollte ja am Ende in der Lage sein, seine neue Regelung vollständig selbst zu verkabeln und in Betrieb zu nehmen.

Handbuch

Unverzichtbar: Das individuelle Siedler-Handbuch …

Damit wären wohl viele zufrieden gewesen. Nicht aber Irgendwer, der genau wusste, dass der wichtigste Teil erst nach der Inbetriebnahme wartete, nämlich die Optimierung der Regelung und die Anpassung an das tatsächliche Anlagenverhalten.

Daher war es aus seiner Sicht unverzichtbar, zu jeder Zeit – für ihn auch aus der Ferne – einen Überblick über die Anlage zu behalten und ein bestimmtes Regelungsverhalten auch im Nachhinein analysieren zu können.

Daher baute er mit Hilfe des TA-Designer ein Onlineschema, das den aktuellen Anlagenzustand auf eine Blick darstellte…

TA-Designer

Erstellen des Onlineschemas im TA-Designer

… und selektierte kritische Messwerte und Regelparameter, die er in die  Datenaufzeichnung aufnahm.

Konfiguration Datenlogging

Konfiguration des Datenloggings in TAPPS

Jetzt musste er nur noch warten, bis der Siedler seine neue UVR16x2 beschafft, über das CMI erfolgreich mit dem Internet verbunden, und ihm Fernwartungszugang gestattet hatte.

CMI-Fernwartung

Fernwartung über CMI und das Webportal der Technischen Alternative

Dann folgten noch einige Standard-Fernwartungs-Handgriffe: Firmware von CMI und Regler aktualisieren, Funktionsdaten und Onlineschema aufspielen, Abruf der Messdatenaufzeichnung über Winsol konfigurieren.

Und damit war alles bereit für die Inbetriebnahme …

Alte Heizung – Neue Regelung: Phase 1 – Konzept

Es soll ja Heizungen geben, die klaglos funktionieren.

happy

Bei vielen lernt man aber über die Zeit ‚kleine Mätzchen‘ kennen und lieben, die man als ’normal‘ akzeptiert, die man mit ‚gewissen Handgriffen‘ aber relativ problemlos beheben kann.

Aber dann gibt es Anlagen, deren Verhalten immer wieder überrascht, und die ohne permanente Aufsicht keinen zufriedenstellenden Komfort liefern können.

so sad

So wusste auch jener Siedler eine lange Leidensgeschichte zu erzählen, als er sich an Irgendwen wandte. Was hatte er nicht schon alles versucht, um nach jenem Einbau der thermischen Solaranlage eine akzeptable Anlagenperformance zu erreichen. Erfolglos. Diverse Untersuchungen und Schlussfolgerungen hatten nur ergeben, dass

‚… die Hydraulik soweit in Ordnung und das Problem wohl in der Regelung zu suchen sei …‘.

Aber für diese nicht mehr ganz zeitgemäße Regelung, die aus mehreren Modulen mit beschränkten analogen Einstellmöglichkeiten bestand, erschien eine systematische Analyse und Optimierung aussichtslos.

Regelung-Bestand

Das hatten selbst die herbeigerufenen Techniker des Herstellers eindrucksvoll bewiesen.

Also war der einzige Vorschlag, den Irgendwer machen konnte, den Ersatz dieses Urgesteins durch eine frei programmierbare Universalregelung UVR16x2 zu prüfen.

UVR16x2

Da dieser Siedler bereit uns willens war, bei Irgendwessen Fernanalyse tatkräftig zu unterstützen und bei der Umsetzung der Lösung auch selbst Hand anzulegen, war man sich schnell über eine weitere Vorgehensweise einig.

Bestandsaufnahme. Neben zwei nicht mehr ganz aktuellen Hydraulikschemen, fanden sich diverse Handbücher und Datenblätter, die in einem gemeinsamen Online-Ordner gesammelt wurden. Ein Erfahrungsbericht und eine Foto-Safari durch den Heizraum komplettierten die Aufnahme des Ist-Zustandes.

Hydraulik-Bestand

Ja, und dann gab es natürlich noch die ‚Wunschliste‘, die sich in diesem Fall schon zu einem kleinen Konzept ausgewachsen hatte, in dem sich der Siedler schon ausführlich seine eigenen Gedanken über eine mögliche Optimierung der Anlage gemacht hatte.

Analyse. Jetzt lag der Ball einmal bei Irgendwem, der sich durch die Informationen wühlte und daraus ein aktuelles Hydraulikschema kondensierte, in das alle Regelungskomponenten – vom Temperatursensor über Pumpen und Umschaltventile bis zum Sicherheitsthermostat – eingezeichnet wurden.

Hydraulik-Neu

Das ging nicht ganz ohne die Mithilfe des Siedlers, der in der einen oder anderen Heizraum-Expedition auch noch die letzten Details der Anlagenkomponenten in den hintersten Winkeln ablichtete.

Umschaltventil

Fragen und Details wurden über E-Mails abgestimmt – was auch zum Tüfteln und zum ‚in Ruhe Nachlesen‘ eine große Hilfe war.

Konzept. Aus den Analyseergebnissen und der Wunschliste des Siedlers konzipierte Irgendwer einen Lösungsvorschlag basierend auf der UVR16x2 und einem CMI.

Innerhalb der Grenzen der Hydraulik war die gewünschte Regelungslogik mit der UVR umsetzbar. Und es konnten praktisch alle bestehenden Komponenten eingebunden werden.

Einbindung-Ventil

Zusätzlich sollte aber endlich auch das Rätselraten über das tatsächliche Anlagenverhalten der Vergangenheit angehören. Der Momantanzustand sollte in einem Online-Schema dargestellt und sämtliche Sensorwerte und Schaltzusände aufgezeichnet werden.

Nachdem das Konzept mit dem Siedler besprochen und verfeinert worden war, war die Phase 2 startklar: die Reglerprogrammierung. – Aber das ist eine andere Geschichte

Logging-Forschung: Beim Fenster raus und bei der Türe wieder rein

Die Datenkrake wird täglich herausgefordert: So viele Möglichkeiten gibt es, neue Tentakel in bisher unerforschte Gebiete auszustrecken!

Das CMI ist seit einiger Zeit selbst eine Datenkrake: In den Einstellungen können Ein- und Ausgänge am CAN-Bus oder für Modbus-TCP konfiguriert werden.

Logisch und physisch getrennt von Wärmepumpe und Hydraulik arbeitet der PV-Wechselrichter der Siedler (Fronius Symo 4.5-3-M). Die PV-Daten werden lokal auf einen USB-Stick geloggt; das minimale Loggingintervall beträgt 5 Minuten. An manchen dunklen Abenden werden die gesammelten Daten dann an die Krake verfüttert. Der Fronius-Datenlogger hat eine WLAN-/Internet-Verbindung und einen lokalen Webserver, aber direkt ‚online runterkopieren‘ von diesem Stick kann man die Daten nicht.

Aber es gibt eine Modbus-TCP-Schnittstelle: Damit können die aktuellen Daten von einem Computer im  lokalen Netzwerk abgefragt werden oder von einem anderen Dings im Internet of Things. Die Siedler wollten nun wissen, ob der Modbus-Client des CMI das USB-Logging ersetzen könnte. Oder könnte gar die künstliche Intelligenz der Regelung auf die aktuelle PV-Leistung reagieren? Der Wechselrichter hat eine Energiemanagement-Funktion, aber 1) er könnte nur sehr schlicht über ein Relay ‚kommunizieren‘ und 2) das natürlich nicht über WLAN.

Nötige Schritte und einige Erkenntnisse:

Modbus wird aktiviert am Datenlogger des Wechselrichters. Wir entscheiden uns für echte Kommazahlen und erlauben keine Änderungen über Modbus:

Modbus-Einstellungen am lokalen Webserver des Fronius-Symo-Wechselrichters. 502 ist der Modbus-Standardport. Die Alternative zu float wären Ganzzahlen mit Skalierungsfaktor SF (Faktor steht dann in anderem Register).

Check der Modbus-TCP-Dokumentation von Fronius: Benötigt werden die Register (‚Speicherplätze‘) der interessanten Werte, z.B. die aktuelle Outputleistung. Das ausführliche PDF ist aktuell hier zu finden (Letzter Check/Update des Links: 2019-01). Eventuell Logging-würdige Werte sind in verschiedenen Tabellen (‚Models‘) zu finden – z.B. Daten die dem Wechselrichter ‚als Ganzes‘ zugeordnet werden oder nur einem String von PV-Modulen.

Dokumentation S.30, Common Inverter Model. Zum Loggen der Wechselstrom-Leistung werden folgende Angaben benötigt: Adresse 40092, Registertyp 3 (read and hold), Datentyp float32 (Platz entspricht zwei 16bit-Register, daher ist die Endadresse 40093) und die Einheit Watt.

Wichtig dazu ist dieser Hinweis auf S.15:

D.h. auf einem Modbus-Client muss bei der Abfrage der Leistung 40091 angegeben werden.

Mit diesen Infos und der IP-Adresse des Wechselrichters in lokalen Netz wird ein entsprechender analoger Modbus-Eingang am CMI festgelegt:

Modbus-Analogeingang 1 liest die aktuelle PV-Leistung vom Wechselrichter. Der ‚Eingangswert‘ ergibt sich, wenn die Daten als Integerzahl interpretiert werden. ‚Aktueller Wert‘: Der Integer-Teil der ‚wahren‘ Gleitkommazahl.

Ja, wir haben uns das in einem Netzwerk-Trace angeschaut 😉 nachdem uns das Dropdown-Menü zur Byte-Reihenfolge etwas verwirrt hatte: Modbus-TCP sollte immer Big Endian verwenden laut Protokollspezifikation.

Faktoren und Datentypen: Am CAN-Bus werden nur Integer-Werte verarbeitet – evtl. mit einem Skalierungsfaktor als Zusatzinformation. Bei der Leistung in Watt gibt es da glücklicherweise keinen Handlungsbedarf. Würde man aber z.B. die 15A Strom mit einer Kommazahl loggen wollen, müsste man den Faktor auf 10 setzen um eine Kommastelle aus der Floatzahl ‚mitzunehmen‘. Vorher am Symo Integer + Skalierungsfaktor einzustellen ist nicht sinnvoll, da dieser Faktor in einem anderen Register des Wechselrichters steht … das das CMI natürlich nicht kennt.

Wenn man statt relativ stabilen Werten irgendwelche Zahlen zwischen ca. -32000 und + 32000 sieht 😉 merkt man, dass hier etwas schiefgegangen ist.

Diese Einstellung bedeutet noch nicht, dass das CMI die Modbus-Daten schon ‚hat‘ und mitloggt. Alles, was man bis jetzt davon ‚hat‘, ist die Anzeige des aktuellen Wertes in der CMI-Modbus-Einstellung. Zur Weiterverarbeitung inklusive dem Logging am CMI selbst muss wieder ein passender Ausgang definiert werden. Das CMI kann nur über CAN- oder DL-Bus loggen. Also brauchen wir einen…

… analogen CAN-Bus-Ausgang am CMI:

Das CMI hat die Standard-Knotennummer 56. Jedes andere Gerät am CAN-Bus kann damit diesen Wert auslesen durch Angabe der Knotennummer und der Nummer des Analogausgangs – 1.

Diese Geräte nutzen aktuell den CAN-Bus:

Darstellung der Geräte durch das CMI. Beim Klick auf (unterstützte) Geräte kommt man in das entsprechende Konfigurationsmenü.

Wenn man sich die Logging-Einstellungen am CMI ansieht, könnte man in Versuchung kommen, einfach das CMI selbst – CAN 56 – auszuwählen:

Am CMI konfiguriertes lokales CAN-Logging (Nutzung mit Winsol) – von UVR1611 (1), UVR16x2 (2) und dem Energiezähler CAN-EZ (41).

Erkenntnis: Das CMI kann aber seinen eigenen CAN-Ausgang nicht loggen. Man kann zwar CAN 56 als Logging-Quelle im Dropdown-Menü anklicken, aber das endet dann so:

CAN-Fehler am CMI – ausgelöst durch den Versuch, das CMI als Logging-Quelle einzutragen (so dass es gleichzeitig Logger und Quelle spielt).

Hier ist das ‚Durchschleifen‘ des Wertes durch die ‚loggingfähige‘ UVR nötig – womit endlich der Titel des Postings erklärt wäre!

An der UVR16x2 wird der CAN-Ausgang des CMI jetzt als CAN-Eingang (‚Netzwerkvariable‘) verbunden:

Definition des Netzwerkeingangs auf der UVR16x2. Quelle ist der CAN-Ausgang am CMI (Knoten 56, Ausgang 1).

Die Leistung in Watt wird als Integer übergeben. Hätte man am Modbuseingang einen Faktor 10 verwendet, müsste hier die Einheit auf ‚dimensionslos,1‘ gesetzt werden.

Aktueller Wert am CAN-Netzwerkeingang.

Die UVR16x2 kennt damit die PV-Leistung. Dieser Wert steht für Regelungszwecke zur Verfügung und Irgendwer kann beginnen, das Warmwasser-Zeitprogramm durch eine Digitalisierte Smarte 4.0 Big Data AI Bot Version abzulösen. Skynet entwickelt ein Bewusstsein!

Andererseits kann der Wert durch das CMI von der UVR geloggt werden – der neue CAN-Eingang wird in den Datenlogging-Einstellungen in TAPPS hinzugefügt und steht dann in Winsol zur Verfügung:

Anzeige der geloggten Daten mit Winsol (Zugriff auf lokale Logfiles): PV-Leistung, Globalstrahlung auf die senkrechte Fläche des Kollektors, Kollektortemperatur, Außentemperatur.

… bzw. kann das ‚Portal-Logging‘ auf cmi.ta.co.at konfiguriert werden …

Konfiguration des Loggings direkt am Portal cmi.ta.co.at – als mögliche Loggingquellen stehen nur UVR1611 und UVR16x2 zur Verfügung. Die interessanten CAN-Ausgänge müssen in den rechten Bereich gezogen werden – dann kann dieser Parameter in einem Profil ausgewählt werden und das Diagramm des Werteverlaufs wird online angezeigt.

… und online mitverfolgt …

Anzeige Logging-Profil auf cmi.ta.co.at. In diesem Fall werden die Daten beim Logging vom CMI an das Portal gesendet und dort gespeichert.

Würde man alle Outputwerte des Fronius-Datamanagers auf diese Art loggen, hätte man außerdem schnell die Limits betreffend Netzwerkvariablen und Loggingplätzen erreicht. Wenn man unbedingt jede Minute die Spannung zwischen Phase 1 und 2 oder die Blindleistung wissen will, verwendet man besser einen eigenen Logger, z.B. Rasperry Pi. Hier ist ein perfekt dokumentiertes Projekt: Logging der Daten von Fronius Symo mit Python über Modbus TCP, plus Datenbank und Weboberfläche.

Nur Werte, die tatsächlich auch zum  Regeln benötigt werden, sollten beim Fenster rausgeworfen und bei der Türe wieder hereingebeten werden!

Aus BUSO wird LEO: Hydraulik-Chirurgie

Es war keine ganz einfache Operation gewesen. Aber die Herztransplantation der Anlage war erfolgreich verlaufen. Der alte Gaskessel war herausgeschnitten und durch eine funkelnagelneue Sole-Wasser-Wärmepumpe ersetzt worden, die nun mit kräftigen Herzschlägen die Adern der Heizungsanlage mit warmem Wasser flutete.

Durch den gleichzeitig durchgeführten chirurgischem Eingriff im Regler-System liefen nun alle elektrischen Signale der Sensoreingänge und Schaltausgänge im CMI zusammen, wo sie im Minutentakt aufgezeichnet wurden und so ein Quasi-EKG der Anlage lieferten.

CMI (Control & Monitoring Interface): Die Logging-Zentrale ...

Das CMI (links oben) zeichnete alle Regelungssignale auf …

Und mit genau diesem EKG war Irgendwer noch nicht wirklich zufrieden. Die erhöhte Vorlauftemperatur der Wärmepumpe würde die Leistungsfähigkeit des Patienten nachhaltig gefährden.

BUSO-Log-2017-11-06

Die hohe Vorlauftemperatur der Wärmepumpe (T.WP 1) bereitete Irgendwem noch etwas Kopfzerbrechen …

Irgendwie vertrug sich das neue Herz noch nicht ganz mit dem über Jahre und Jahrzehnte gewachsenen Organismus der bestehenden Anlagenhydraulik. Wieder und wieder hatte er das EKG studiert und jedes mal war er zum gleichen Schluss gekommen: Die Durchblutung des Kombispeichers war gestört, was wiederum eindeutig mit dessen Bauweise zusammenzuhängen schien.

BUSO-Kombispeicher

Der eingebaute Warmwasser-behälter schien die natürliche Konvektion im Kombispeicher empfindlich zu stören …

Gleichzeitig war dieses Organ stark belastet. Zwei Heizkreise wurden von ihm gespeist. Und als wäre das nicht genug gewesen, war es auch noch für die gesamte Warmwasserversorgung zuständig. Andererseits gab es da einen enormen Doppel-Pufferspeicher, der vor Langeweile Däumchen drehte.

BUSO-Hydraulikschema-vorher

Historisch gewachsene Anlagenhydraulik, in der der ehemalige Gaskessel durch eine Sole-Wasser-Wärmepumpe samt LEO_2-Wärmequelle ersetzt worden war …

Und während er das Hydraulikschema hin- und herwälzte, formierte sich die Lösung vor seinem geistigen Auge. Hier musste definitv ein Bypass gesetzt werden und dort eine Rückschlagklappe. Wenn man dann an dieser Stelle noch ein Ventil einbaute und diese beiden Anschlüsse ein wenig versetzte …

BUSO-Hydraulikschema-nachher

Und so sollte die Anlagenhydraulik nach dem chirurgischen Eingriff aussehen: Ein Bypass sollte die Durchblutung im oberen Bereich des Kombispeichers verbessern. Die Heizkreise sollten zur Entlastung an die Pufferspeicher gehängt werden. Und die Herzklappen V.Lad.PS und V.Lad.KS sollten zu einer abwechselnden Durchblutung von Puffer- und Kombispeicher führen …

Schon wurde der Operationssaal vorbereitet. Der Siedler und sein Kumpel sollten diesen Eingriff mit telemedizinischer Unterstützung vornehmen. Einen solche Operation hatte noch niemand vor ihnen versucht und würde ihnen sicherlich einen Vorschlag zum Nobelpreis einbringen!

Und tatsächlich! Als der Patient das zweite Mal aus dem Tiefschlaf erwachte, ging es ihm deutlich besser. Er sollte schon fast in häusliche Pflege entlassen werden, als bei einer Nachuntersuchung eine immer noch erhöhte Rücklauftemperatur der Wärmepumpe diagnostiziert wurde, die die Arbeitszahl in den Keller drückte.

BUSO-Log-2017-12-14

Besser, aber die Rücklauftemperatur der Wärmepumpe  (T.WP 2) war immer noch zu hoch …

Verflixt! Wo kam denn das schon wieder her! Aus dem Hydraulikschema war kein Hinweis darauf zu erkennen …

So musste die Anlage Rohr für Rohr und Ventil für Ventil untersucht und mögliche Abweichungen zum Hydraulikschema ausfindig gemacht werden. Und tatsächlich, nach einer Abenteuerreise durch den staubigen Heizungskeller und einem Tauchgang in der ‚Kiste‘ fand sich unter einem dicken Wulst aus Isoliermaterial der Übeltäter: Ein Vier-Wege-Mischer!

BUSO-4-Wege-Mischer

Unter der Isolierung befand sich – auf den ersten Blick nicht zu erkennen – der Missetäter: ein 4-Wege-Mischer …

Den hatte wohl in grauer Vorzeit jemand zur Rücklaufanhebung eingebaut, die aber heute in Verbindung mit einer Wärmepumpe vollständig kontraproduktiv war …

BUSO-3-4-Wege-Mischer

Statt des im Hydraulikschema vermuteten 3-Wege-Mischers fand sich tatsächlich ein 4-Wege-Mischer in der Anlage. Dieser bewirkt im Misch-Zustand die Anhebung der Rücklauftemperatur!

Dieses kleine Gebrechen mit großer Wirkung konnte aber in diesem Fall ambulant behoben werden. Kurze Zeit später verließ der Patient bei bester Gesundheit mit einer runderneuerten Hydraulik das Spital.

BUSO-Log-2018-03-14

Und das Hydraulik-EKG entsprach nun auch endlich Irgendwessen Ansprüchen…

LEO, NEO & QUADRO: Kampf um jedes Kilowatt

Es war nun doch schon wieder einige Zeit her, seit seine Anlage in Betrieb gegangen war. Aber das war für diesen besonderen Siedler nicht das Ende des Projektes gewesen, sondern erst der Beginn. Wie ein Virus hatte die Leidenschaft von ihm Besitz ergriffen, die Effizienz seiner Anlage weiter zu steigern und der Umwelt jede nur mögliche ‚kostenlose‘ Kilowattstunde zu entreißen.

Alle Werkzeuge dazu hatte er in der Hand: das war vor allem das Online-Schema, das zu jedem Moment die aktuelle Sensorwerte und Schaltzustände der Anlage anzeigte.

NEO-OL-Schema

Während andere ihre Zeit mit Seifenopern im Fernsehen tot schlugen, liebte er es, zu allen Jahreszeiten und bei den unterschiedlichsten Wetterverhältnissen das Onlineschema zu beobachten und dabei Ideen für seine nächsten strategischen Optimierungsmaßnahmen zu wälzen …

Dann wurden auch noch alle Anlagendaten aufgezeichnet. So konnte er den Zeitverlauf lückenlos nachvollziehen, Schwachstellen ausloten und die Wirksamkeit seiner Maßnahmen sofort überprüfen.

NEO-Logging

Schließlich machte es ihm der Fernzugriff auf den Regler leicht, schnell einmal einen Sollwert oder Schaltpunkt zu verändern, um dann wieder gebannt die Resultate im Onlineschema und in den Monitoringdaten zu verfolgen.

NEO-Fernzugriff

Manchmal fiel es ihm etwas schwer, dem obersten Grundsatz der Optimierung ‚Efficiency follows Comfort‘ zu folgen, was ihm die eine oder andere Diskussion mit seiner Familie einbrachte und ihm unmissverständlich aufzeigte, dass er die optimale Einstellung gefunden bzw. leicht überschritten hatte…

Besonders stolz war er auf eine Tüftelei, die es ihm ermöglichte mit einer minimalen Investition, die Vorlauftemperatur im Heizkreis und damit der Wärmepumpe wesentlich zu senken.

Dazu machte er sich die Bauweise seiner Flachheizkörper vom Typ 22 und 33 zunutze, die ein unten und oben offenes Gehäuse mit innenliegenden Wärmeleitblechen bildeten.

NEO-Heizkörpertypen

Mit einigen recht günstig verfügbaren PC Gehäuselüftern und Winkel-Profilen aus dem Baumarkt hatte er diese Heizkörper quasi in Konvektoren umgerüstet.

NEO-Lüfterkonstruktion

Nachdem er mit einigen Prototypen experimentiert hatte, kam er schließlich zur endgültigen Lösung, die die Luft von unten durch die Heizkörper und Wärmeleitbleche blies. Da waren sie komplett aus dem Sichtfeld und mit der relativ geringen Drehzahl auch akkustisch praktisch nicht wahrzunehmen.

NEO-Lüfter-eingebaut

Nach seiner Kalkulation konsumierte so eine Lüfterbatterie mit weniger als 5 Watt um Größenordnungen weniger Energie, als er sich durch die reduzierte Wärmepumpen-Kompressorleistung ersparte. In seinem Fall bedeutete das bei einer um mehr als 5°C reduzierten Wärmepumpen-Vorlauftemperatur eine um mehr als 200 Watt geringere Kompressorleistung.

„Saubere Lösung!“ dachte er sich, und noch dazu ohne dass ‚die oberste Direktive‘ verletzt worden war 😉 …

Aus BUSO wird LEO

Und so begab es sich, dass ein Siedler gedankenverloren seinen Blick über die schon in die Jahre gekommene Heizungsanlage schweifen ließ. Fast jede der Komponenten weckte eine kleine Erinnerung in ihm. Besonders diese große „Kiste“, wie er sie nannte, die in einer Ecke seines Kellers stand und zwei hervorragend gedämmte 1000-Liter Pufferspeicher verbarg.

BUSO-Kiste

Dazu gehörten ursprünglich 45m2BUSO-Solardach‚-Fläche auf seinem Schuppen, die er zusätzlich zu seiner ‚klassischen‘ Solaranlage vor mehr als einem Jahrzehnt montiert, aber inzwischen wieder stillgelegt hatte.

BUSO-Schuppen

Mit den Solaranlagen hatten sich auch schon einige Regelungen angesammelt: Neben einer UVR1611 aus BUSO-Zeiten, hing da auch noch eine RESOL-Regelung an der Wand. Und beide regelten ganz individuell ihren Teil der Anlage.

BUSO-Regelung-alt

Ja, und nicht zu vergessen: der Kombi-Speicher! Das war ein Husarenstück gewesen, ihn auf die Decke des Heizraums zu stellen. Alles sauber verrohrt und isoliert.

BUSO-Kombispeicher

Der alte Gaskessel mit seinen mehr als 25 Jahren auf dem Buckel tat zwar noch ganz brav seinen Dienst, aber wie lange wohl noch?

BUSO-Gaskessel

Längere Zeit hatte er schon hin- und her überlegt, wie er das Ganze konsolidieren und auf zukunftssichere Beine stellen konnte. Bis er in den Weiten des Internetz auf die pannonischen Tüftler und LEO_2 gestoßen war, und er sich an noch etwas erinnerte, das sich im hintersten Winkel seines Gartens befand:

BUSO-Becken

Das was vom Erfinder einmal als Schwimmbecken vorgesehen worden war, diente nun schon seit geraumer Zeit als Regenwasserspeicher. Aber was sprach eigentlich dagegen, es nun zum Eisspeicher umzubauen?

„Das ist sicher eine treffliche Tüftelei für Irgendwen!“, dachte sich der Siedler als er frischen Mutes elektronische Post nach Pannonien schickte.

Seine Ideen wurden mit Irgendwessen Ratschlägen verfeinert und in ein Konzept gegossen. Und als sich dann auch noch ein Freund namens BAFA bereit erklärte, sein Vorhaben zu unterstützen, steckte er auch schon mitten in seinem LEO_2-Projekt …

Zuerst musste er dem Regenwasserbecken einen etwas stabileren Deckel verpassen, der auch in der Lage war, später den Auftrieb des Eises im gefrierenden Wasser aufzunehmen. Seine Wahl fiel auf eine Holzbalkendecke, die er einfach selbst zusammenzimmern konnte und die für diesen Fall die kostengünstigste Lösung war.

Den gesamten Innenraum legte er mit Teichfolie aus um jedes Risiko hinsichtlich Undichtigkeiten von vorne herein auszuschließen und das verfügbare Volumen zu maximieren.

Die ovale Beckenform war zwar eine kleine Herausforderung. Aber auch dafür hatte Irgendwer einen passenden Wärmetauscher samt Trägergestell ausgetüftelt. Dafür konnte sogar einen Haufen altes PVC-Rohr, der noch irgendwo herumlag,  wiederverwertet werden…

BUSO-PVC-Rohrmaterial

Nachdem er den Eisspeicherdeckel mit Rasensamen begrünt hatte, ließ nur noch der längliche Einstieg in der Mitte vermuten, dass sich da noch mehr darunter befand als nur Erde…

BUSO-Eisspeicher-Deckel

Eine Ecke im Schuppen wurde zum idealen Platz für den ‚Soleverteiler‘ …

BUSO-Soleverteiler

… und der alte BUSO-Kollektor wurde komplett auseinander genommen und neu, möglichst luftig auf dem Schuppendach arrangiert, um ihn LEO_2-tauglich zu machen.

BUSO-Kollektor

Dann wurden noch ‚einige‘ Meter Sole-Leitung verlegt und die Wärmepumpe angeschlossen.

BUSO-Wärmepumpe

Das Kommando über die Regelung übernahm fortan eine UVR16x2, die sich über den CAN-Bus vortrefflich mit der bestehenden UVR1611 und über ein CMI mit dem Internet unterhalten konnte.

BUSO-Regelung

Die UVR1611 behielt zwar ihren Platz auf dem Brettchen und ihre Ein- und Ausgänge, wurde aber fast sämtlicher ‚Intelligenz‘ beraubt, die sie an die UVR16x2 abgeben musste. Für die RESOL-Regelung war der letzte Weg alles Irdischen gekommen. Ihre überschaubare Regelungslogik fand ebenfalls in der UVR16x2 ihre neue Heimat.

Als LEO_2 dann seinen Betrieb aufnahm, war die Hydraulik auf der Heizungsseite noch nahezu unverändert. Wie sich später herausstellen sollte, waren aber auch dort Altlasten verborgen, die die Tüftler noch vor die eine oder andere Herausforderung stellen sollten.

Aber das ist eine andere Geschichte 😉 …