Unpannonische Heizsaison 2016-2017

Die Siedler hatten den Bogen endgültig überspannt. Jahrelang wurde hier berichtet über Winter, die zu pannonisch waren oder nicht kanadisch genug waren. Irgendwie war das auch ein Ausdruck ihrer Frustration: Man musste zu drastischen Maßnahmen greifen, um einen echten Winter zu simulieren und endlich einen ordentlichen Eiswürfel zu erzeugen.

Und so haben die Siedler sie heraufbeschworen – die Heizsaison 2016 / 2017 mit dem kältesten Jänner (Januar) seit 30 Jahren. So sieht die Bilanz aus:

Der positive Rekord: 14m3 Eis ganz ohne Trickersei! Und das, obwohl das Obergeschoß wieder mit dem Holzofen beheizt wurde:

(Zu der eigenartigen ‚Schwingung auf dem Eisplateau‘ siehe die Geschichten von Blubber und Orkrakel.)

Die lange Periode von mittleren Außentemperaturen unter Null, ganz ohne Warmlufteinbruch lässt aber Schlimmes erahnen: Ein trauriger Rekord wurde erreicht – der grüne Balken der Monatsarbeitszahl hält sich im Jänner 2017 doch deutlich fern von der 4er-Marke:

In diesem Monat wurden über 3.000 kWh Heizenergie benötigt; im ganzen Jahr wurden ca. 16.600 kWh verbraucht inkl. Warmwasser – gleich wie wie in der vorigen Saison, in der die ganze Siedlerhütte mit der Wärmepumpe beheizt wurde. Zu beachten: Trotz heroischer punktueller Renovierungsmaßnahmen wird der Großteil der Heizenergie im Untergeschoß noch über Radiatoren verteilt – im Januar bei einer mittleren Heizkreis-Vorlauftemperatur von 37°C.

Der Kollektor konnte in diesen Wochen vergleichsweise wenig Energie liefern, während die fleißige Wärmepumpe täglich ca. 100 kWh Heizenergie ‚produzierte‘:

Damit konnte der Kollektor heuer auch seine übliche Kennzahl nicht ganz erreichen: Wie die Siedler und ihre Krake nicht müde werden zu betonen, liefert er ‚üblicherweise‘ in einer ‚typischen‘ Eisperiode über 75% der Umweltenergie für die Wärmepumpe.

In der letzten Saison folgte aber der kalte Rekord-Jänner auf einen ebenfalls schon kollektorunfreundlichen Dezember. Die Auftauphase im Februar folgt dann wieder dem üblichen Rekordernte-Muster.

Zu beachten ist aber, dass der Kollektor auch in dieser Saison wieder nur zu 50% genutzt wurde. Irgendwer wollte ja seine Forschungsschaltung ordentlich testen: Seit Herbst 2014 musste sich die Wärmepumpe mit 12 statt 24m2 Kollektorfläche begnügen – eine Fläche, die die Siedler angesichts des typischen Energiebedarfs ihrer historischen Siedlerhütte eigentlich als zu gering betrachten.

Etwas getröstet wurden die Siedler allerdings dann im heißen Sommer 2017 – durch Spielereien mit der passiven Kühlung. Sie konnten sich den Eiswürfel für Kühlzwecke zwar nicht lange aufheben, aber in diesem (Hitze-)Rekord-Sommer wurde die bis jetzt höchste Kühlenergie von insgesamt ca. 600kWh benötigt.

Der Kollektor kühlt in vergleichsweise kühlen Nächten den Eisspeichertank; der kalte Tank kühlt wiederum den Pufferspeicher – pro Tag werden von den ‚Heiz‘-Kreisen bis zu 30kWh Kühlenergie entnommen.

Nach dem Bericht über die Herausforderungen und das schwierige Umfeld kommt normalerweise der optimistische Blick in die Zukunft. Chief Engineer Somebody enthüllt die strategische hydraulische Weichenstellung für die eben gestartete Saison: Die zweite Hälfte des Kollektors wurde wieder zugeschaltet!

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Die Messdaten aller Jahre und weitere Details und technische Daten zum System sind wie immer zu finden in unserer Messdatendokumentation (PDF)

Herbstliche Gewohnheiten

Ein außergewöhnlicher Sommer ging zu Ende und der Herbst begann, seine Finger nach z-village auszustrecken.

z-village-herbst

Und jeder begann sich auf seine Weise auf den Winter vorzubereiten. Während die einen ausreichend Holz oder andere Brennstoffe einlagerten …

holzhaufen

… musste Irgendwer LEO_2 fit für den Winter machen.

LEO_2 war ja den ganzen Sommer über für die Warmwasserbereitung und den passiven Kühlbetrieb gelaufen und damit praktisch einsatzbereit. Die ‚jährliche Wartung‘ war daher schnell erledigt. Er prüfte nur

  • den Soledruck
  • den Wasserstand im Eisspeicher
LEO_2-Online-Schema

Ein Blick auf das Online-Schema reichte, um den Soledruck zu prüfen. Auch ein Niveau-Sensor, den Irgendwer inzwischen in den Eisspeicher eingebaut hatte, zeigte ihm an, ob der minimale bzw. maximale Wasserstand im Eisspeicher erreicht waren.

Obwohl irgendwer viele Messwerte inzwischen am Bildschirm ablesen konnte, genehmigte er sich trotzdem einen kleinen Rundgang und warf einen Blick auf den Kollektor, einen weiteren in den Eisspeicher und schaute, ob sonst mit LEO_2 alles in Ordnung war…

Den Sole-Frostschutz hatte er erst voriges Jahr mit dem Refraktometer gemessen, das konnte er sich heuer getrost sparen.

Dann machte er sich, wie es ihm Anfang September inzwischen zur Gewohnheit geworden war, an die Umstellung auf ‚Winterbetrieb‘. Dazu musste er ganze zwei Regelparameter umstellen:

  • Maximale Eisspeichertemperatur: diese hatte er für den Kühlbetrieb im Sommer auf einen niedrigen Wert belassen, damit bei niedrigen Außentemperaturen der Tank über den Kollektor gekühlt wurde. Nun stellte er diesen Wert wieder auf den maximalen (durch die Einsatzgrenze der Wärmepumpe limitierten) Wert von 20°C. Damit sollte der Eisspeicher und das umgebende Erdreich durch die Herbstsonne noch einmal richtig auf Temperatur gebracht – also ‚aufgeladen‘ – werden.
  • Grenztemperatur für die passive Kühlung: Diese hatte er im Sommer so eingestellt, dass ab 24°C Raumtemperatur die passive Raumkühlung einsetzte. Da er nicht wollte, dass auch im Winter gekühlt wurde, wenn er hin- und wieder einmal den Bullerjan anfeuerte, stellte er diesen Parameter auf einen hohen Wert.

Damit waren seine Heizungs-Vorbereitungen für den Winter erledigt und es blieb ihm genügend Zeit um einer weiteren liebgewordenen Gewohnheit nachzugehen, bevor die neue Heizsaison richtig begann: nämlich der Jahresauswertung der Anlagendaten…

2015-09-20-Leistungsdaten_LEO_2

Weitere Informationen: Messdaten LEO_2: Jahres- und Monatsübersichten für die Periode 2014/2015.

Das Besondere an LEO_2: (3) Ein Multitalent

Als Irgendwer LEO_2 ausgetüftelt und weiter entwickelt hatte, war es ihm besonders wichtig gewesen, mehrfachen Nutzen aus der Anlage zu ziehen. Oder anders gesagt: möglichst viel für das investierte Geld zurückzubekommen …

Das Heizen der Siedelerhütte benötigt mit ca. 75% den Großteil der jährlichen Wärmeenergie. Diesen Wärmebedarf kann LEO_2 mit einer hohen Jahresarbeitszahl jenseits von 4 sehr effizient abdecken und damit die Heizkosten wesentlich senken.

LEO_2: Modus 'Heizen mit Kollektor'

LEO_2 im Heizmodus: Die Wärmepumpe (1) beheizt den Pufferspeicher (7), der seinerseits die Heizkreise versorgt. Als Wärmequelle werden Kollektor (4) und Wassertank / Eisspeicher (3) genutzt, die in Serie von der Sole durchlaufen werden. Bei sehr niedrigen Außentemperaturen, kann mit dem automatischen Umschaltventil (5) der Kollektor weggeschaltet werden.

Auch die Warmwasserbereitung übernimmt LEO_2. Das Speichervolumen eines Hygienespeichers, das mit Heizungswasser gefüllt ist, wird direkt beheizt. Dadurch bleibt die Vorlauftemperatur mit ca. 50°C möglichst niedrig und die Wärmepumpe möglichst effizient. Da das Leitungswasser im Durchfluss erwärmt wird, ist eine energiefressende Legionellenbehandlung (Aufheizen auf ca. 70°C) nicht erforderlich.

LEO_2: Modus 'Warmwasser ohne Kollektor'

Zur Warmwasserbereitung wird der Wärmepumpenvorlauf über ein automatisches 3-Wege Ventil in den Hygienespeicher (6) umgeleitet. Das Leitungswasser durchfließt einen großflächigen Edelstahlwärmetauscher in diesem Speicher und wird dadurch effektiv und hygienisch erwärmt. Die Wärmequelle wird genauso genutzt, wie für die Heizung. Im Bild ist der Kollektor weggeschaltet.

Noch effizienter wird die Warmwasserbereitung im Sommer und in der Übergangszeit, weil dann bei einer hohen Wärmequellentemperatur (bis zu der von der Wärmepumpe bestimmten Einsatzgrenze von 20°C) die Arbeitszahl der Wärmepumpe auch im Warmwassermodus deutlich über 4 liegt.

Eine eigene Solaranlage für die Warmwasserbereitung wird dadurch überflüssig.

Während andere Heizungsanlagen im Sommer stillstehen, übernimmt LEO_2 in dieser Jahreszeit neben der Warmwasserbereitung auch das Kühlen.

LEO_2: Modus 'Kühlen mit gleichzeitiger Warmwasserbereitung'

Im Kühlmodus wird der Solekreis über ein automatisches 3-Wege Ventil (9) durch einen Wärmetauscher im Pufferspeicher (7) geleitet, der dadurch abkühlt. Der Heizkreis wird zum Kühlkreis. Wenn die Wärmepumpe (1) gleichzeitig läuft um Warmwasser zu erzeugen, wird die Sole zusätzlich abgekühlt und damit der Kühleffekt noch verstärkt.

Nach der Heizperiode ist der Wassertank / Eisspeicher kalt. Die Erwärmung des Eisspeichers über den Kollektor wird durch die Regelung so kontrolliert, dass die Wärmequellenentemperatur hoch genug für eine effiziente Warmwasserbereitung ist, aber trotzdem noch genügend Kühlreserve bleibt.

Die Wirtschaftlichkeit der Anlage wird weiter verbessert, wenn man die Anlagenkomponenten ‚Kollektor‚ und ‚Eisspeicher‚ nicht nur als Wärme- / Kältequelle sondern zusätzlich noch für andere Zwecke nutzt.

Länge und Breite sowie die Montageart des Kollektors  sind sehr flexibel wählbar, sodass er z.B. auch die Aufgabe eines Zauns, Geländers und/oder Sichtschutzes übernehmen kann.

Kollektor: Geländer und Sichtschutz

Mehrfachnutzen des Kollektors als Terrassengeländer / Sichtschutz.

Der Eisspeicher kann zusätzlich auch als Regenwasserspeicher genutzt werden. Umgekehrt können bestehende Hohlräume, wie alte Erdkeller oder Güllegruben zum Eisspeicher umgebaut werden.

LEO_2 ist 1

25.Oktober 2012: das war das denkwürdige Datum des Inbetriebnahmeprotokolls – und  damit der Geburtstag der Wärmepumpenanlage LEO_2. Kaum zu glauben, dass ‚Die Erfindung‘ nun schon seit mehr als einem Jahr verlässlich ihren Dienst verrichtete.

LEO_2 ist 1

Unbemerkt von der Weltöffentlichkeit hatte LEO_2 am 25.10.2013 seinen ersten Geburtstag gefeiert.

Am 1. November 2012 hatte Irgendwer seine systematischen Messaufzeichnungen begonnen, die mitunter lebensgefährliche Einsätze erforderten. Höchste Zeit eine Bilanz über das erste Betriebsjahr (01.11.2012 – 31.10.2013) zu ziehen:

Wärmebedarf. Der Winter 2012/2013 war zwar nicht besonders kalt, dafür aber ungewöhnlich lange gewesen. Sogar im Juni musste noch einmal die Heizung angeworfen werden. Damit lag der Gesamtwärmebedarf – also die gesamte von der Wärmepumpe bereitgestellte Wärmeenergie – bei knapp 20.000 kWh (Heizung: 76% und Warmwasser: 24%) .

Energieverbrauch Heizung und Warmwasser 2012-2013

Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser im Betriebsjahr 2012/2013

Strombedarf und Arbeitszahl. Zur Erzeugung dieser Wärmemenge hatten Wärmepumpe und Solepumpe gemeinsam ca. 4.575 kWh verbraucht, was einer Jahresarbeitszahl JAZ = 4,35 entsprach. Obwohl das Erdgeschoß der Siedlerhütte mit Flachheizkörpern beheizt wurde, konnte diese relativ hohe Arbeitszahl (1) durch eine optimierte Regelung für Heizung und Warmwasserbereitung und (2) durch eine im Jahresdurchschnitt hohe Sole-Eintrittstempertur von ca. 4,5°C in die Wärmepumpe erreicht werden.

Monatsarbeitszahlen für das Betriebsjahr 2012/2013

Monatsarbeitszahlen für das Betriebsjahr 2012/2013

Besonders in der Übergangszeit arbeitete das Wärmepumpensystem aufgrund der  hohen Soletemperaturen besonders effektiv. Im September 2013 lag die Monatsarbeitszahl bei 5,0 und im Oktober 2013 sogar bei 5,3.

Auch in den Sommermonaten, in denen die Wärmepumpe nur zur Warmwasserbereitung verwendet wurde, war die Monatsarbeitszahl nie kleiner als 4,5.

Umweltenergie. Übers Jahr hatte die Wärmepumpe etwas mehr als 15.400 kWh der Umwelt entzogen. Den Löwenanteil lieferte mit fast 85% der Schlauchkollektor (direkt oder indirekt über Zwischenspeicherung im Tank). Der Rest wurde durch Abkühlen des Tanks und des umgebenden Erdreiches sowie durch das Gefrieren des Wassers im Tank (‚Eisspeicher‚) gewonnen.

Eis. Zwischen 07.12.2013 und 31.03.2013 hatte sich Eis im Eisspeicher gebildet, das zwischendurch auch wieder vollständig geschmolzen war. Maximal waren am 29.01.2013 etwa 1/5 des Tanks, also ca. 5m3 gefroren.

Kollektorernte 2012/2013

Kollektorernte für das Betriebsjahr 2012/2013: Fast 13.000 kWh hatte der Kollektor aus der Umwelt geerntet – bevorzugt im Winter.

Kollektor. Der Kollektor hatte praktisch nur während der Heizperiode Wärme aus der Umwelt gewonnen – dann aber besonders effektiv. Für die Warmwasserbereitung im Sommer reichte die Energie aus dem Wassertank, dem zeitweise auch Energie durch die passive Kühlung der Siedlerhütte zugeführt wurde. Die Kollektorernte wurde sogar zeitweise negativ! Nämlich dann, wenn der Kollektor zum Kühlen des Tanks eingesetzt wurde – zum Aufbau eines Kühlvorrats für die passive Kühlung.

Spezialtomate

Da der Kollektor im Sommer nicht für die Energiegewinnung gebraucht wurde, konnte er als Spalier für die Züchtung von Spezialtomaten verwendet werden.

Kühlen. Der Sommer war durch zwei Hitzeperioden geprägt, die durch die passive Kühlung des Obergeschoßes stark gemildert werden konnten. Außerhalb dieser Hitzeperioden war die passive Kühlung kaum in Betrieb, da normales Lüften  ausreichte, um angenehme Temperaturen in der Siedlerhütte zu schaffen.

Betriebsstunden. Bei einem Beobachtungszeitraum von exakt 8.808 Stunden war die Wärmepumpe in diesem Jahr 2.474 Stunden (28% der Zeit) gelaufen. 3.043 Stunden (35%) wurde Sole durch den Kollektor gepumpt. Die Solepumpe selbst war zum Heizen und passiven Kühlen insgesamt 3.784 Stunden (43%) in Betrieb.

Kosten und Ersparnis im Betriebsjahr 2012 / 2013

Kosten und Ersparnis im Betriebsjahr 2012 / 2013

Betriebskosten. Die Heizkosten, bestimmt durch den Stromverbrauch von Wärmepumpe und Solepumpe, lagen bei knapp € 800,–. Der Stromverbrauch der beiden (alten) Heizungsumwälzpumpen schlug zusätzlich mit ca. € 45,– zu Buche. Damit hatte sich Irgendwer gegenüber seiner alten Gas-Brennwert-Heizung 47% der Betriebskosten und ca. 4 Tonnen CO2 erspart.

Weiterführende Informationen: Die Details zur Anlage und zu den Messdaten des Betriebsjahres 2012/2013 sind auf der punktwissen Webseite abrufbar.

Das Wärmequellen-Paradoxon

Manchmal fragte sich Irgendwer, warum sich eigentlich ein Großteil der Wärmepumpenbenutzer für eine Luft-Wasser Wärmepumpe entscheidet, obwohl das im Vergleich das ineffizienteste Wärmepumpensystem ist.

Wahrscheinlich, weil man sich einfach keine Gedanken über die Erschließung der Wärmequelle machen muss, und weil es prinzipiell ‚eh funktioniert‘. – Also die einfachste Lösung, wenn auch – auf Dauer gesehen – nicht die günstigste

Kostenentwicklung bei verschiedenen Jahresarbeitszahlen

Entwicklung der Betriebskosten mit der Zeit.
Die höhere Investition in ein effizientes Wärmepumpensystem mit einer ‚guten‘ Wärmequelle und damit einer höheren Jahresarbeitszahl (JAZ) wird auf Dauer durch die niedrigeren Betriebskosten mehr als ausgeglichen.
Eine JAZ = 2,8 entspricht der durchschnittlichen Jahresarbeitszahl von Luftwärmepumpen, die in Feldtests ermittelt wurde. Mit einer guten Wärmequelle (z.B. LEO_2) lassen sich auch in der Praxis Jahresarbeitszahlen größer als 4 erreichen.

Und warum Wärmepumpen auch mit einer schlechten Wärmequelle ‚prinzipiell eh funktionieren‘ hängt mit dem Wärmequellen-Paradoxon zusammen, das man wie folgt formulieren kann:

„Je ineffizienter ein Wärmepumpensystem ist, umso unwichtiger ist eine gute Wärmequelle.“

Ein ineffizientes Wärmepumpensystem bedeutet, dass dessen Jahresarbeitszahl klein ist. Damit erntet (bzw. benötigt) die Wärmepumpe weniger Umweltenergie und es steigt der Anteil der elektrischen Energie an der von der Wärmepumpe abgegebenen Wärmeenergie.

Wenn also das Wärmepumpensystem nur ineffizient genug ist, braucht man sich um die Wärmequelle kaum noch Gedanken zu machen. Der ‚einzige Nachteil‘ ist eine hohe Stromrechnung.

Umgekehrt muss eine Wärmequelle für ein effizientes Wärmepumpensystem sehr viel (kostenlose) Umweltenergie liefern. Das macht die Auslegung etwas schwieriger und den Bau etwas aufwändiger.

Im Endeffekt passt sich eine Wärmepumpe – oft unbemerkt vom Betreiber –  aber immer sehr flexibel an die Wärmequelle an: Ist die Wärmequelle gut, braucht die Wärmepumpe wenig Strom, ist die Wärmequelle schlecht und liefert wenig Umweltenergie, verbraucht die Wärmepumpe umso mehr Strom.

Eine weitere Formulierung des Wärmequellen-Paradoxons lautet:

„Je schlechter die Wärmequelle, umso ’stärker‘ wird die Wärmepumpe ausgelegt.“

Eine schlechte Wärmequelle ist durch eine im Mittel niedrige Wärmequellentemperatur gekennzeichnet. Da die Heizleistung einer Wärmepumpe mit sinkender Wärmequellentemperatur stark sinkt, muss eine Wärmepumpe mit höherer Nennleistung gewählt werden, damit die benötigte Heizleistung auch noch bei einer niedrigen Wärmequellentemperatur erbracht werden kann.

Was bewirkt also das ‚Wärmequellen-Paradoxon‘:

  • Wärmepumpensysteme funktionieren prinzipiell auch mit einer schlechten Wärmequelle, wenn auch ineffizient und entsprechend überdimensioniert.
  • Eine vermeintlich günstigere Investition wird über die Jahre mit einer höheren Stromrechnung teuer bezahlt.

Schade, eigentlich …

Kleine Wärmepumpenkunde: JAZ & COP

Irgendwer schüttelte ungläubig den Kopf, nachdem er in einer Pannonischen Postille folgende, etwas dreiste Werbebotschaft für eine Wärmepumpe gelesen hatte:

„… die leiseste Luft-Wasser Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl (JAZ) > 4 … „

Stihl kettensaegeStarker Tobak. Ganz abgesehen davon, dass auch die ‚leiseste‘ Motorsäge noch immer ziemlichen Lärm verursachen konnte, war er doch etwas verwundert, dass dieser Wärmepumpen-Verkäufer eine Behauptung über eine (für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe nicht zu kleine!) Jahresarbeitszahl aufstellte …

Zum Hintergund:

Eine mit Strom betriebene Wärmepumpe entzieht einer Wärmequelle bei niedriger Temperatur Wärmeenergie und gibt diese bei hoher Temperatur wieder an das Heizsystem ab.

Prinzip Wärmepumpe

Eine Wärmepumpe muss immer im Zusammenhang mit der Wärmequelle und dem Wärmeabgabesystem betrachtet werden.
Entscheidende Größen für ihre Effizienz sind: Eintrittstemperatur der Wärmequelle in die Wärmepumpe (T.WQ.EIN), Vorlauftemperatur des Heizkreises (T.HZG.VL) und der damit verbundene Temperaturhub (ΔT).

Dabei steigt sowohl die Heizleistung als auch die Effizenz der Wärmepumpe mit

  • steigender Eintrittstemperatur der Wärmequelle in die Wärmepumpe (T.WQ.EIN)
  • sinkender Vorlauftemperatur auf der Heizungsseite (T.HZG.VL)

Seriöse Leistungsangaben einer Wärmepumpe müssen sich daher immer auf diese beiden Temperaturen beziehen.

Um Wärmepumpen verschiedener Hersteller vergleichen zu können, verwendet man die Leistungszahl (= Coefficient Of Performance = COP). Dabei wird bei genau definierten Laborbedingungen das Verhältnis von abgegebener Wärmeleistung zu aufgenommener elektrischer Leistung gemessen:

COP = Wärmeleistung / Elektrische Leistung (bei Normbedingungen)

Unter realen Betriebsbedingungen ändern sich Wärmequellentemperatur und Heizungsvorlauftemperatur und damit die Leistungsdaten der Wärmepumpe ständig. Das ist von vielen Faktoren der Gesamtanlage abhängig, wie z.B.:

  • Dimensionierung und Zustand der Wärmequelle
  • Wärmeabgabesystem (Fußbodenheizung, Radiatoren, Warmwasserspeicher)
  • Nutzungsverhalten (Raum- und Warmwassertemperatur)
  • Regelung (Heizkurve, Positionierung von Temperatursensoren, Abschaltbedingungen)
  • Art und Größe der verwendeten Pufferspeicher und Warmwasserspeicher
  • etc …

Um die Qualität der Gesamtanlage im Realbetrieb beurteilen zu können, verwendet man daher die Jahresarbeitszahl (JAZ). Es wird die gesamte in einem Jahr von der Wärmepumpe gelieferte Wärmeenergie ins Verhältnis zur gesamten eingesetzten elektrischen Energie gesetzt:

JAZ = Gewonnene Wärmeenergie pro Jahr / Eingesetzte elektrische Energie pro Jahr

Dabei werden bei der elektrischen Energie auch Zusatzaggregate (Ventilatoren, Solepumpe, Ladepumpe), sowie der Bedarf für elektrische Notheizung und Abtauen berücksichtigt.

Für die Effizienz und damit die Sparsamkeit einer Wärmepumpenanlage ist die Jahresarbeitszahl die entscheidende Größe. Sie muss für jede Gesamtanlage individuell bestimmt werden und kann niemals die Eigenschaft einer Wärmepumpe alleine sein.

Und wie eine Reihe von Feldstudien zeigt, ist es (besonders für Luft-Wasser-Wärmepumpen) in der Praxis absolut nicht einfach, eine Jahresarbeitszahl > 4 zu erreichen …

Weiterführende Links:

Warum eigentlich keine Solaranlage ?

Es begab sich, dass ein Siedler-Freund folgende leicht provokante Frage an Irgendwen richtete:

„Warum mocht so a Öko-Fuzzi wia Du sei Woamwossa eigentlich ned mid ana Solaraunlog?“

(Übersetzt: Warum hast Du, der Du so viel für Deine Umwelt übrig hast, eigentlich keine solarthermische Anlage zur Warmwasserbereitung?“.

Solaranlage zur Warmwasserbereitung (pixabay.com)

Warum sollte sich Irgendwer zusätzlich zu seiner ‚Erfindung‘ eine Solaranlage auf dem Dach installieren?

Woraufhin Irgendwer genauso lapidar wie überzeugt zurückgab:

„Weu’s ma nix bringt!“

(Übersetzt: Weil ich mir, als Betreiber ‚Der Erfindung‚ weder einen ökonomischen noch einen ökologischen Zusatznutzen davon verspreche!“).

Daraufhin entspann sich ein angeregter Dialog zwischen den beiden, in dem ‚die Sonne, die keine Rechnung schickt‚ genau so thematisiert wurde, wie ‚die kostenlose Umweltenergie‚. Solare Deckungsgrade und Arbeitszahlen wurden einander an den Kopf geworfen, jedes Für und Wider haarklein diskutiert. Da dieser Dialog auch zeitweise den Boden der Sachlichkeit verließ, ist er hier nicht im Detail wiedergegeben …

Angeregte Diskussion (pixabay.com)

Es entspann sich eine angeregte Diskussion über Für und Wider von Solaranlagen oder Wärmepumpen zur Warmwasserbereitung …

Schließlich kamen sie zum Schluss, dass es übers Jahr gesehen für einen Öko-Fuzzi‘ nicht wirklich einen Unterschied machte, welche der beiden Alternativen man für die Warmwasserbereitung einsetzte:

Der Besitzer der Solaranlage mit einem (typischen) solaren Deckungsgrad von 70% musste 30% seiner Warmwasserenergie mit einer konventionellen Heizung (oder mit einem Heizstab – also Strom) erzeugen.

Der Besitzer der ‚Erfindung‘ (Wärmepumpe) benötigt für die Warmwasserbereitung mindestens eine Jahresarbeitszahl von 3,33, um 70% seines Warmwasserbedarfes über Umweltenergie decken zu können. Das war mit ‚Der Erfindung‘ leicht zu schaffen!

Deckung Energiebedarf mit Umweltwärme

Warmwasser mit Wärmepumpe oder Solaranlage: Übers Jahr gesehen benötigt eine Solaranlage genausoviel ‚konventionelle‘ Zusatzenergie wie ‚Die Erfindung‘, um den gesamten Warmwasserbedarf zu decken.

Mit einer zusätzlichen Solaranlage könnte ‚Die Erfindung‘ zwar noch etwa 2% des Wärme-Energie-Jahresbedarfs einsparen. Das stünde aber in keinem Verhältnis zu den zusätzlichen Kosten…

Abgesehen davon war Irgendwer auch von den folgenden Vorteilen seiner ‚Erfindung‘ gegenüber einer Solaranlage überzeugt:

  • Warmwasser exakt dann, wenn er es benötigte, unabhängig vom Sonnenschein und mit einer Menge und Temperatur, die seinen Bedürfnissen entsprach.
  • keine Probleme mit einer Überhitzung der Anlage an heißen, sonnigen Sommertagen
  • EINE übersichtliche und robuste Anlage für Heizen, Kühlen und Warmwasserbereitung
  • an heißen Sommertagen konnte er die Kälte, die die Wärmepumpe bei der Warmwasserbereitung erzeugte, direkt für das Kühlen seiner Siedlerhütte verwenden

Und die Dachfläche hatte er eigentlich auch schon für etwas Anderes verplant …