Herbstliche Gewohnheiten (2)

Nachdem eine ungewöhnlich warme erste Septemberhälfte die Siedler mit sommerlichen Temperaturen verwöhnt hatte, begann nun unaufhaltsam der Herbst in Pannonien Einzug zu halten. Bald würde LEO_2 wieder aus seinem Sommerschlaf erwachen, um für die wohlige Temperierung der Siedlerhütte zu sorgen.

2015-2016-herbst

Es wurde herbstlich in z-village …

Alles war vorbereitet:

Routinemäßig hatte Irgendwer eine kleine Sole-Probe gezogen und mit dem Refraktometer den Frostschutz geprüft, der erwartungsgemäß unverändert bei einem Wert von ca. -25°C lag.

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Der Frostschutz wurde mittels Refraktometer geprüft: OK.

Sicherheitshalber hatte er in diesem Zuge auch gleich ein paar Liter Sole nachgefüllt, denn mit dem Sinken der Temperatur im Solekreis würde auch der Soledruck im Winter wieder ein wenig zurückgehen.

Auch hatte er trotz der warmen September-Temperaturen den Kühlmodus wieder beendet. Aufgrund der kühlen Nächte war es auch nicht mehr notwendig, mit der passiven Kühlung nachzuhelfen. Viel wichtiger war es nun, den Eisspeicher im September auf Maximaltemperatur aufzuladen. – Denn im Herbst standen die ‚fetten‘ Monate mit den höchsten Arbeitszahlen des ganzen Jahres bevor, auf die sich Irgendwer schon insgeheim freute …

Zu Irgendwessen Herbst-Ritualen zählte auch der Rückblick auf das vergangene LEO_2-Jahr, der sich wie folgt darstellte.

Bis auf den Jänner mit zwei Kälteperioden war der Winter 2015/2016 ungewöhnlich mild verlaufen. Der Frühling war aber nur sehr stotternd in die Gänge gekommen.

2015-2016-temperaturen-und-eisbildung-leo_2

Erst im Jänner hatte sich mit einem Maximum von knapp 7m3 nennenswert Eis  im Eisspeicher gebildet, das aber Mitte Februar schon wieder vollständig geschmolzen war.

Das war auch der Grund, warum die Siedlerhütte nur einen vergleichsweise niedrigen Jahres-Gesamtwärmebedarf  von 16.725 kWh (inkl. Warmwasser) gehabt hatte. Bei einer Jahres-Arbeitszahl von knapp 4,6.

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Leistungsdaten 2015/2016 auf die Monate herunter gebrochen: Die höchsten Monats-Arbeitszahlen hatte es naturgemäß in den Herbstmonaten September bis November und dann wieder im Frühjahr (April und Mai) gegeben. Dann, wenn die Wärmequelle relativ warm und die mittlere Vorlauftemperatur der Wärmepumpe relativ niedrig sind …

Obwohl über die gesamte Heizperiode nur die halbe Kollektorfläche genutzt worden war, konnten trotzdem beachtliche 10.484 kWh über den Kollektor geerntet werden – und das vorwiegend in der kalten Jahreshälfte.

2015-2016-kollektorernte-und-heizwaermebedarf-leo_2

Der milde Wetterverlauf hatte sich auch positiv auf die Kollektorernte ausgewirkt …


Weitere Informationen: Details zu den Messdaten der LEO_2 Pilotanlage sind hier zu finden …

„Wenn Blätter von den Bäumen stürzen …

… die Tage täglich sich verkürzen.
Wenn Amsel, Drossel, Fink und Meisen
die Koffer packen und verreisen.
Wenn all die Maden, Motten, Mücken,
die wir vergaßen zu zerdrücken,
von selber sterben – glaube mir,
dann steht der Winter vor der Tür …“

So besang einst Heinz Erhardt den Herbst, der sich inzwischen auch wieder über z-village gelegt hatte.

Herbst über z-village

Der Herbst breitet sich über z-Village …

So, wie jedes Jahr verlor sie Sonne ihre wärmende Kraft, die Nächte wurden frischer, und die Schornsteine in der Nachbarschaft begannen wieder zu qualmen.

Qualmender Schornstein

Der Mann vom Energieversorger kam, um den noch immer unveränderten Gaszählerstand abzulesen. Und auch der Rauchfangkehrer musste nach einem kurzen, aber inzwischen wohlvertrauten Wortwechsel: „Kehr’n ma?“ – „Na, mia haum nix g’hazt“ – unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Es war die Erfindung, die wohlige Wärme in der Siedlerhütte von Irgendwem verbreitete. Die Regelung hatte Irgendwer inzwischen so optimiert, dass nur in den kühlen Nacht- und Morgenstunden – dann wenn die Temperatur in der Hütte empfindlich absank – geheizt wurde. Wenn tagsüber zum Beispiel durch die hocheffektiven Solarkollektoren die Raumtemperatur über den Maximalwert stieg, wurde die Heizung automatisch deaktiviert.

Zugeführte Wärmeleistung Tank

Heizen in der Übergangszeit: Wenn in der Nacht und den kühlen Morgenstunden die Wärmepumpe in Betrieb ist, wird dem Wassertank Wärme entzogen (Entzugsleistung der Wärmepumpe). Dieser Verlust kann während des Tages durch den Kollektor wieder ausgeglichen werden, sodass die Temperatur im Tank und damit die Effizienz der Wärmepumpe hoch bleibt.

Was Irgendwen neben der komfortablen Regelung aber am meisten begeisterte, war die Effizienz – die Sparsamkeit – mit der die Erfindung gerade jetzt in der Übergangszeit arbeitete.

Soletemperatur und Arbeitszahl

Effizienz in der Übergangszeit: Durch die (noch) hohe Sole-Eintrittstemperatur und die vergleichsweise niedrige Wärmepumpen-Vorlauftemperatur erreicht die Erfindung (wie im Frühling) die höchsten Effizienzwerte.

Da der Wassertank immer noch eine Temperatur um die 15°C hatte, war auch die Sole-Eintrittstemperatur in die Wärmepumpe entsprechend hoch, was schon über längere Zeit eine respektable Tagesarbeitszahl deutlich jenseits von 5 zur Folge hatte. Das bedeutete: mehr als 80% der benötigten Heizenergie kam aus der Umwelt!

Im Geiste zitierte Irgendwer das Ende des Gedichtes von Heinz Erhardt (frei interpretiert):

… ich lass ihn nicht rein – ich spiel ihm einen Possen.
Die Erfindung ist bereit und angeschlossen.
Ha! Den hab ich schön angeschmiert.
Jetzt steht der Winter vor der Tür!  – Und friert …“