Irgendwo im hohen Norden: Expedition Eisspeicher

Sorgenvoll runzelte der Siedler irgendwo im hohen Norden die Stirn, als er – wie immer öfter in den letzten Tagen – einen Blick auf die Messdatenaufzeichnungen warf. Der Soledruck seiner Wärmepumpenanlage zeigte einen eindeutigen Trend nach unten. Und als wäre das nicht schon genug gewesen, schien sich diese Tendenz mit jedem Nachfüllen von Sole auch noch zu verstärken!

IIHN-Soledruck-im-Sinkflug

Besorgniserregend: Soledruck im Sinkflug …

Gefühlte tausend Mal hatte er alle zugänglichen Soleleitungen geprüft und dabei auch die eine oder andere Undichtigkeit beseitigt. Trotzdem musste es irgendwo noch eine weitere undichte Stelle geben. Und die Gewissheit wuchs, dass diese im Eisspeicher sein musste. Mehr noch: er hatte bereits eine ganz bestimmte Stelle im Verdacht …

IIHN-Anschluss-Muffe

So fasste er zu dieser späten Stunde einer kalten Winternacht den einsamen Entschluss, dieser Sache nun engültig auf den Grund zu gehen. Und zwar jetzt! Auf den Frühling zu warten, war was für Warmduscher 😉 …

Schnell nahm sein Plan konkrete Formen an. Und bevor er an diesem Tag zu Bett ging, hatte er noch eine Bestellung abgesetzt, um das letzte Teil zu besorgen, das ihm für die bevorstehende Expedition noch fehlte. Denn zur Zeit war es ziemlich frisch im Eisspeicher und ein Paar Gummistiefel würden wohl nicht reichen …

IIHN-Wathose

Bald war das letzte Puzzlestück zu seinem Plan geliefert: Die Neopren Wathose wartete an der (mit einer hocheffektiven Zutrittskontrolle gesicherten 😉 ) Werkstatttüre auf ihren Einsatz …

Um in den Eisspeicher vordringen zu können, musste er zuerst den Wasserspiegel absenken. Dazu hätte er das Eisspeicherwasser auch einfach nur in den Kanal pumpen können…

… wären da nicht noch diese alten großen Trinkwassertanks gewesen, die er damals vor dem Müll gerettet hatte. Platz genug hatte er ja gehabt in seinem ‚Keller‘, und seine Vermutung, dass man die irgendwann noch einmal gut gebrauchen konnte, hatten sich nun – irgendwie war er selbst ein bisschen überrascht 😉 – bewahrheitet! So musste er nicht einmal einen Tropfen Wasser für seine Kommadoaktion opfern.

IIHN-Wasser-Zwischenspeicher

Die Tauchpumpe wurde in den Eisspeicher hinabgelassen, um gerade soviel Wasser abzupumpen, dass er mit seiner neuen Neopren Wathose trockenen und warmen ‚Fußes‘ in den Eisspeicher einsteigen konnte.

IIHN-Eiswelt

Eine bizarre Eiswelt offenbarte sich ihm. Mit Stirnlampe und Eispickel kämpfte er sich vorwärts, während er sich einbildete aus einer entfernten Ecke schon ein verräterisches Tropfen zu vernehmen – plopp – plopp – plopp …

IIHN-Soletropfen-1

„Hab ich dich!“

Auf frischer Tat ertappt! Gerade sammelte sich der nächste grüne Soletropfen, um sich kurz darauf mit einem satten ‚Plopp‘ in die Fluten des Eisspeichers zu stürzen …

Das Leck hatte sich verraten. Zum einen durch das Tropfen und zum anderen dadurch, dass die austretende Sole das Eis an der Leckstelle geschmolzen hatte. Jetzt galt es  noch zur eigentlichen Ursache vorzudringen. War er sich inzwischen doch ziemlich sicher, dass er ’nur‘ ein paar Schrauben  nachziehen musste …

IIHN-Soleleck-freigelegt

Sein Zimmermannshammer leistete gute Dienste, um das Eis abzuklopfen, sodass er kurz darauf die Ratsche ansetzen und die Schrauben an der Schlauchschelle nachziehen konnte.

IIHN-Expeditionsausrüstung

Expeditionsausrüstung …

Nach getaner Arbeit beobachtete er wieder gespannt den Soledruck und die Sorgenfalten glätteten sich. Er wartete noch ein paar Stunden, bis er endgültig sicher war, dass sich der Soledruck stabilisiert hatte. Bevor er den Eisspeicher wieder mit Wasser auffüllte …

IIHN-Eisspeicher-füllen

Ein Frühlingsspaziergang …

Mit Schaudern erinnerte sich Irgendwer zurück an seine lebensbedrohliche Mission, die er im Dienste der Wissenschaft unternommen und mit einer Riesenportion Glück und eisernem Durchhaltevermögen doch noch unbeschadet überstanden hatte …

Auf ein Neues ...

Heute, in der wärmenden Frühlingssonne, würde das Messen zum Spaziergang werden …

Heute – nur eine Woche später – sah die Sache schon ganz anders aus! Ein kurzer Blick reichte, um mit seiner jahrelangen Erfahrung die Situation richtig einzuschätzen. Ein Jäckchen und leichtes Schuhwerk würden reichen. Kurz überlegte er sogar, ob er gegen das ungewohnte Sonnenlicht wohl eine Sonnenbrille aufsetzen musste …

Frühlingsspaziergang zum Messpunkt

Der Schnee war fast vollständig verschwunden – hinweggerafft von der schon sehr kräftigen Frühlingssonne.

Doch nachdem sich seine Augen an das gleißende Sonnenlicht gewöhnt hatten, war der Weg zum Messpunkt dieses mal enttäuschend einfach. Fast wehmütig dachte er an seine Expedition zurück, die noch wirkliche Männer gefordert hatte!

Kollektor in der Frühlingssonne

Fast enttäuschend: Selbst für die dümmste Memme wäre es kein Problem gewesen, bei diesen Bedingungen den Messpunkt zu finden und die Messung durchzuführen …

Wo er letzte Woche noch orientierungslos und verzweifelt im knietiefen Schnee nach dem Messpunkt gesucht hatte, bot sich heute wieder ein vertrautes Bild.

Obwohl der harte Winter dem Wurzelsepp stark zugesetzt hatte, lächelte er fröhlich und zufrieden, wie immer.

Wurzelsepp

Fröhlich und zufrieden unterstützte Wurzelsepp Irgendwen beim Messen. – Obwohl das heute gar nicht notwendig gewesen wäre…

„Der Winter ist tot! Es lebe der Frühling!“

dachte sich Irgendwer, und hoffte, dass er sich nicht täuschte …

Eine kleine Expedition …

Der Auftrag war klar. Irgendwer musste die wöchentliche Messung des Temperaturverlaufes im Erdboden vornehmen. So widrig die äußeren Verhältnisse auch waren, es konnte nicht sein, dass der trotzige pannonische Winter diese so wichtige wissenschaftliche Mission vereitelte!

Auftrag: Messen!

Der Auftrag war klar! Wie jede Woche musste das vertikale Temperaturprofil im Erdboden vermessen werden …

Entschlossen schlüpfte Irgendwer in seine dickste Jacke. Warme Socken in gut geschnürten Schuhen. Da konnte fast nichts mehr schiefgehen. Verwegen warf er dem Elkement einen letzten Blick zu, bevor er mit grimmiger Miene in die winterliche Kälte hinaus stapfte.

Am Beginn der Expedition

Fast unüberwindlich erschienen Irgendwem die unglaublichen 30 Meter Schneewüste, die ihn vom Ziel seiner Mission trennten …

Ganze 30 Meter trennten Irgendwen von seinem Ziel. 30 Meter durch knietiefen Schnee. 30 Meter durch beißende Kälte. 30 Meter Kampf mit dem inneren Schweinehund …

Und dann, als er sich schon am Ziel wähnte: WhiteOut!

WhiteOut

Was er nur aus Erzählungen kannte, brach nun unerwartet und mit aller Wucht über ihn herein: Wenn er in dem gefürchteten WhiteOut die Orientierung verlor, konnte das das Ende seiner Expediton bedeuten und zur Gefahr für Leib und Leben werden …

So musste sich Roald Amundsen auf seinem Weg zum Südpol gefühlt haben! Dem Ziel so nah, und doch konnte diese Laune der Natur seine Mission in letzter Minute vereiteln.

Ruhe bewahren! Jetzt kam Irgendwem zugute, dass er dieses entlegene Gebiet wie seine Westentasche kannte. Trotzdem musste er sein ganzes archäologische Geschick aufwenden, um die Messpunkte unter den tiefen Schneewehen zu finden und mit aller Vorsicht auszugraben.

Hilfe vom Wurzelsepp

Nur mit der Unterstützung vom Wurzelsepp konnte Irgendwer seine Mission zu einem guten Ende bringen …

Unerwartet kam ihm Wurzelsepp zur Hilfe, der mit Ausdauer und stoischer Ruhe – wie es so seine Art war – die Messstation bewacht und Irgendwen letztlich zur richtigen Stelle geführt hatte. Mit klammen Fingern brachte Irgendwer die Sensoren in Position und konnte am Ende die so wichtigen wissenschaftlichen Daten gewinnen.

Der Rückweg war ein Kinderspiel. Er brauchte nur seinen eigenen Fußstapfen zu folgen, sodass er noch vor Einbruch der Nacht die wärmende Siedlerhütte wieder erreicht hatte …

„Danke, Winter,  für dieses einmalige Erlebnis! Und danke auch für die Dachlawine, die mir beim Schneeschaufeln in den Nacken gerutscht ist!“

dachte sich Irgendwer

„Owa jetzt, bitte, schleich di endlich!“