Das Besondere an LEO_2: (4) Ein Eldorado für Selbermacher

Irgendwer ärgerte sich lieber über seine eigenen Fehler, als über die von hochbezahlten Professionisten. Daher hatte er das Wärmepumpensystem LEO_2 auch so ausgetüftelt, dass er es mit seinem durchschnittlichen handwerklichen Geschick und der begrenzten Ausstattung seiner Erfinderwerkstatt soweit wie möglich selbst zusammenbauen konnte.

Die Kappsäge - unverzichtbares Werkzeug für jeden LEO_2 Bauer

Die Kappsäge – unverzichtbares Universal-Werkzeug in Irgendwessen Erfinderwerkstatt. Sei es zum Zuschneiden von Zaunlatten oder PVC-Rohren …

Und was waren das nun für Eigenschaften, die den Eigenbau vergleichsweise einfach machten?

Standardkomponenten. Alle Teile, die für LEO_2 benötigt werden, sind als bewährte Standardkomponenten am Markt erhältlich. Die meisten können sogar in Online-Shops über das Internet bestellt werden.

Standardwerkzeug. Man benötigt kein teures Spezialwerkzeug zum Bau von LEO_2. Wenn man nicht schon einen brauchbaren Hohlraum besitzt (alte Güllegrube, Zisterne, Erdkeller), ist die größte Herausforderung das Ausheben einer Grube und das Mauern des Eisspeichers. Der Rest lässt sich mit Werkzeug erledigen, das in jeder Heimwerkerwerkstatt zu finden ist. Die wichtigsten Freunde des LEO_2 Bauers sind Akkuschrauber, Rohrzange, Schlauchschere und Kappsäge.

Akkuschrauber und LEO_2

Der Akkuschrauber: bester Freund des Selbermachers, besonders wenn es um LEO_2 geht: besonders beim Kollektorbau sind einige Löcher zu bohren und Schrauben einzudrehen …

Materialien leicht zu bearbeiten. Die verwendeten (vorgeschlagenen) Materialien, wie Lärchenholz, PVC-Rohr und Kunststoff-Rippschläuche sind leicht zu bearbeiten. Der Solekreis kann z.B. mit kostengünstigen PVC-Komonenten, wie sie auch aus Teichbau und Pooltechnik bekannt sind, zusammengebaut werden. Ein paar wichtige Grundregeln für das Kleben von PVC-Vebindungen, die man auf keinen Fall missachten sollte, sind rasch erlernt.

Solekreis aus PVC- und Messingkomponenten

Der Solekreis kann durch Verkleben von PVC Komponenten und Eindichten von Gewindeverbindungen aufgebaut werden.

Flexibel. Die Dimensionen von Trägergestell und Wärmetauscher können sehr flexibel gestaltet werden, sodass praktisch jeder wasserdichte quaderförmige Hohlraum zum Eisspeicher umfunktioniert werden kann. Dasselbe gilt für den Kollektor, für den die unterschiedlichsten Montagevarianten denkbar sind. Für LEO_2 ist eine gute (beidseitige) Belüftung des Kollektors wichtig und eine möglichst senkrechte Montage (damit er im Winter nicht durch Schnee bedeckt wird).

Werkzeug für Kollektor und Wärmetauscher

Wärmetauscher und Kollektor können mit einfachem Werkzeug aufgebaut werden.

Genehmigungsfrei. In den Weltgegenden in und um z-village kann man beginnen, LEO_2 zu bauen, ohne spezielle Genehmigungen oder Gutachten einzuholen (wie diese etwa für Tiefenbohrungen oder Grundwassernutzung nötig sind).

Ungefährlich. Ein mit einigen Kubikmetern Wasser gefüllter Tank in der Erde kann nicht mehr Schaden anrichten als eine Zisterne oder ein Swimmingpool. Der Frostschutz in der Soleleitung (Ethylenglykol) ist ungefährlich. In Pannonien wurde in grauer Vorzeit sogar der Wein damit versetzt

Schritt für Schritt. Wer die Zeit hat oder braucht, kann LEO_2 schrittweise umsetzen und sich damit z.B. auf den Austausch eines bestehenden Heizsystems vorbereiten.

Und so kann Irgendwer jedem unerschrockenen Siedler, der sich mit dem Gedanken trägt, das Wärmepumpensystem LEO_2 im Eigenbau zu realisieren, nur Mut zusprechen. Allerdings unter Beachtung einer alten pannonischen Heimwerkerweisheit:

„Wenn man weiß, wie es geht, ist es immer einfach …“

Irgendwer wusste das inzwischen – nachdem der eine oder andere Heimwerkerfluch (glücklicherweise) ungehört in den Tiefen des Eisspeichers verklungen war.

Question Mark Cloud

Im Nachhinein betrachtet hätte Irgendwer auch gern Irgendwen gehabt: zur Beantwortung der tausend Detailfragen, die sich so im Laufe dieses Projektes ergeben:

  • Wie sollen der Kollektor, der Eisspeicher und der Wärmetauscher dimensioniert werden?
  • Wie verlegt man am besten den Wärmetauscher im Eisspeicher?
  • Wie verhindert man, dass der Eisspeicher durch das Gefrieren des Wassers gesprengt wird?
  • Welche Leitungen für Sole, Wasser, Sensoren und Elektrik müssen vorgesehen werden?
  • Welche Wärmepumpe ist wirklich nötig bzw. geeignet und welche Nennleistung wählt man am besten aus?
  • Wie stark muss die Solepumpe sein?
  • Was ist der beste Platz für den Kollektor? Kann er auch im Schatten liegen?
  • Welchen Sensoren müssen an welchen Stellen vorgesehen werden?
  • Wie wird das gesamte Wärmepumpensystem inklusive Heizkreise und Warmwasserbereitung geregelt?
  • Welche Sicherheitseinrichtungen sollte man vorsehen?
  • … (?) …

Aber wozu gibt es punktwisser. Irgendwer kann da sicher weiterhelfen!

7 Gedanken zu „Das Besondere an LEO_2: (4) Ein Eldorado für Selbermacher

  1. Hallo Siedler,

    haben hoch interessiert Euren Blog gelesen, haben ein altes Backsteinhäuschen (1929) bisher ohne Heizung und heute die alte Abwassergrube am Nebengebäude ausgemessen (ca. 7m^3).
    Wenn man einen Heizungsbauer fragt sagt der: „Altes Haus? Gasheizung: 25kW.“ Das erscheint mir 1. überdimensioniert (die bisherigen Bewohner sind mit zwei Nachtspeicheröfen im Wohnzimmer (Nordseite) ausgekommen, 2. irgendwie oldfashion ;-).
    Wie groß ist denn Euer Speicher? Und wäre das Rhein-Main-Gebiet im Hessenland zu weit weg für einen Tipp?

    Viele Grüße,
    ein tapferes Schneiderlein

    • Hallo tapferes Schneiderlein,

      es wäre wichtig zu wissen, wieviel Energie die bisherigen Bewohner verbraucht haben, z.B. rückgerechnet aus dem typischen jährlichen Verbrauch an Nachstrom. Bzw. zum Cross-Check: Wieviele Quadratmeter Wohnfläche werden beheizt und wie ist das Haus gedämmt?
      Unsere Siedlerhütte wurde ebenfalls in den 1920er Jahren erbaut, allerdings vor einigen Jahren renoviert mit Vollwärmeschutzfassade. Wir brauchen ca. 20.000 kWh im Jahr Energie für Raumheizung und Warmwasser (185m2 Nutzfläche). Unsere Heizlast wäre daraus abgeschätzt ca. 7-8kW, also deutlich unter den 25kW. Diese Schätzung kommt mir zwar auch hoch vor, aber wir hatten auch vor der Renovierung (Dachbodenausbau) für weniger als die halbe Nutzfläche einen deutlich höheren Verbrauch als heute.

      Unser Wasserspeicher ist ca. 27m3 groß – weil unser Erdkeller so groß war. Unsere Messungen und Simulationen zeigen, dass er auch etwas kleiner sein dürfte – aber 7m3 ist sehr knapp. Schon in einem milden Winter werden (für unsere Gegebenheiten) im Eisspeicher einige m3 Eis gebildet, da sollte noch Puffer bleiben…. außer man will nennenswert mit einem anderen Heizungssystem zuheizen.

      Wichtig ist generell für den Betrieb einer Wärmepumpe (egal mit welcher Quelle), dass die Heizungsvorlauftemperatur nicht zu hoch werden soll, da sonst die Arbeitszahl der Wärmepumpe sinkt. D.h. das Haus sollte vor dem Einbau einer Wärmepumpe immer gut gedämmt werden.

      Mit dem Rhein-Main-Gebiet haben wir keine Berührungsängste 🙂 – wir haben auch einige ‚Fernprojekte‘ mit anderen tapferen Siedlern aus dem hohen Norden.

      Herzliche Grüße aus Pannonien,
      Elke(ment)

      • Liebe Elke(ment),
        ja, am Dämmen des Hauses scheitert vermutlich dann der Einsatz der Wärmepumpe. Die Fassade wollen wir nicht antasten, hat zu viel Charme.
        Der Energiepass weist zwar eine Zahl (265kWh/(m2*a) aus, wir haben aber keine Info darüber, wie die zustandegekommen ist. Ob die Werte der Nachtspeicheröfen im Wohnzimmer hochgerechnet wurden aufs Haus etc. Ich vermute, dass nur standardisierte Werte eingeflossen sind. Hätten in diesem (unbeheizten) Winter mal ein Thermomenter mitschreiben lassen sollen.
        Im Moment sieht es so aus, dass wir (mit eingebautem Kamin-(Grund)-Ofen) die mit den zusätzlichen Flächenheizung nötige Vorlauftemp und Verbrauch mit Brennwert-Gas-Heizung „ausprobieren“. Dabei aber alles für ökologischeres Heizen vorbereiten und dann schrittweise (dem Geldbeutel angepasst) umsteigen.
        Wenn ich es richtig verstanden habe, habt ihr auch so angefangen…
        Liebe Grüße,
        das weiterhin tapfere Schneiderlein

        • Ja, genau – wir haben auch schrittweise Änderungen vorgenommen (bzw. geht es ja nicht anders, wenn man mitten drin wohnt in der „Baustelle“.)
          Wir hatten auch den Energieverbrauch der Gasheizung gemessen als Basis für die Eisspeicherplanung.
          Flächenheizung ist schon einmal gut! Unser Haus hat im Erdgeschoß noch Flachheizkörper – aber wir konnten wir die Vorlauftemperatur auch reduzieren auf unter 40°C.
          Wenn der zusätzliche Ofen auch in Zukunft weiterverwendet werden soll, müsste der Eisspeicher nicht so groß werden.

          • Danke! Dann werden wir das so machen und lassen uns vom Wärmebedarf des Häuschens mal überraschen!! Ich freu mich schon auf neue Posts im Blog und werde auf Euch zurück kommen!!

  2. Irgendwer in Pottendorf, so sagt man, hat LEO_2 noch immer ganz oben auf seiner To-do Liste und wird – nicht irgendwann, sondern eher zeitnah – weitere konkrete Schritte zur Realisierung der Anlage machen. Ganz wie im Artikel erwähnt, Schritt für Schritt.
    Leider ist der vorgesehene Standort für die Wärmepumpe selbst schon ein (ungewollter) Wasserspeicher. Bald jedoch wird der „Aquariumkeller“ mit einem neuen Estrichbelag ausgestattet, einen Pumpenschacht gibt es ja bereits. In weiterer Folge muss beobachtet werden, wie sich das geplante Abpumpmanöver bei drohendem Wasserpegel durchführen lässt. Es bleibt zu hoffen, dass künftige Besuche im Untergrund durch die getroffenen Massnahmen trocken verlaufen und ohne Gummistiefel durchgeführt werden können.
    Plätzchen für Speicher sowie für Kollektor sollten keine Probleme darstellen, weitläufig wie sich das Pottendorfer Marktl präsentiert. Dafür wird ein Besuch von irgendwem vonnöten sein, um die Situation entsprechend abzuklären. Unter Zuhilfenahme von Kaffee und Punschkrapfen sollte es möglich sein zumindest irgendjemanden zu einem neuerlichen Besuch zu begeistern.

    😉
    LG
    Stefan

    • Irgendein Pottendorfer weiß offensichtlich ganz genau, wie man Irgenwen zu einer Vor-Ort Begehung motivieren kann! Als Wahlpannonier würde Irgendwer aber inzwischen die Esterhazy-Schnitte dem Punschkrapferl vorziehen … 😉
      Aber – Ernst beiseite – nachdem es das Grobkonzept ja schon gibt, lassen sich die weiteren Schritte trefflich bei einer Pottendorf-Pannonischen Kaffejause besprechen. Mach einen Vorschlag, dann packe ich die Gummistiefel zusammen, spanne die Rösser an und mache mich auf den Weg nach P-Dorf …

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