Ein Ei(s)speicher mit Verdauungsproblemen

Die Siedler hatten einen ironischen Ausdruck für jenen Geruch, der sich sanft aber bestimmt über z-village legte, wenn die Bauern die Gülle auf den Feldern ausbrachten: ‚Frische Landluft‘.

An jenem nebeligen Septembermorgen meinte Irgendwer diesen Geruch wieder wahrzunehmen, aber irgendetwas schien anders als sonst: während die Morgenluft im Garten frisch und klar war, schien der Ursprung diese Duftes aus dem Inneren des Schuppens zu kommen, in dem sich auch der Zugang zum Eisspeicher befand …

In dunkler Vorahnung öffnete Irgendwer den Deckel und wurde von einem nach faulen Eiern stinkenden Rülpser empfangen, der ihm kurz die Tränen in die Augen trieb. Das sonst so klare und geruchlose Wasser war mit winzigen Bläschen durchsetzt trübe geworden und stank erbärmlich.

Wassertank-Umgekippt

Ein Geruch nach faulen Eiern schlug Irgendwem entgegen, als er den Deckel zum Eisspeicher öffnete.

Irgendwer war ratlos. Wie konnte das sein? Seit zwei Jahren befand sich dieses Wasser nun im Tank, hatte Sommer und Winter problemlos überdauert und nun das?! Es musste etwas Außergewöhnliches passiert sein! War irgendein Tier in den Tank geraten, das jetzt verweste und das Wasser zum Kippen gebracht hatte?

Sofort wurde eine Krisensitzung mit dem Wissenschaftsoffizier – dem Elkement – einberufen. Nach wenigen Minuten war der Aktionsplan klar und die Aufgaben verteilt: während das Elkement den chemisch biologischen Hintergrund recherchieren sollte, wurde Irgendwer beauftragt, den Tank abzupumpen, um nach möglichen Tierleichen zu suchen.

Irgendwer im Eisspeicher

Sobald es der Wasserstand im Eisspeicher zuließ, stieg Irgendwer hinab, um nach der Ursache zu suchen …

Wenn Irgendwer erwartet hatte, eine tote Ratte zu finden, wurde er enttäuscht. Er konnte keine größeren Tiere ausmachen. Es hatte sich wohl nur der eine oder andere Regenwurm in den Wassertank verlaufen und war hilflos ertrunken. Doch! Da dümpelte noch etwas im Bodensatz …

Froschleiche

Außer einigen Regenwürmern und einem winzigen Frosch, der aus ungeklärter Ursache Selbstmord begangen hatte, konnte Irgendwer keine Tierkadaver im Wassertank finden …

Konnten ein paar Regenwürmer und ein Mini-Frosch die Ursache sein?

Und während er seine Reinigungsarbeiten fortsetzte und darüber nachdachte, beugte sich das Elkement über die Einstiegsöffnung und rief mit einem wissenden Lächeln zu ihm hinab:

„Na, wie geht’s da mit dein Ei_speicher ?“

(Die leicht höhnische Betonung des Leerzeichens zwischen ‚Ei‘ und ‚Speicher‘ war nicht zu überhören …) Und ohne die Antwort abzuwarten gleich die zweite Frage:

„Is da vielleich a bissal a Sole in Tank kuma?“
(deutsch: Ist vielleicht etwas Sole in den Tank geraten?)

Betretenes Schweigen.

Dann eine möglichst unschuldig klingende Antwort von Irgendwem:

„Na jo ….. A Schluckal vielleicht. Des is ned aundas gaunga, wia i den Aunschluss umbaut hob …“
(deutsch: Eventuell, aber höchstens eine kleine Menge. Das ließ sich beim Umbau des Anschlusses nicht vermeiden.)

Von anderen Siedlern wurde im Internet nämlich über gleichartige Ereignisse berichtet, nachdem durch die Undichtheit einer Solaranlage Sole in eine Zisterne geraten war. Dadurch wurden die biologischen Abbauprozesse von Biomasse in einer Zisterne so empfindlich gestört, dass das Wasser zum Umkippen gebracht wurde.

Glücklicherweise beschrieben diese Siedler auch einen einfachen Lösungsansatz: Der Gestank konnte beseitigt und der Wasserspeicher wieder ins Gleichgewicht gebracht werden, wenn man nur genügend Sauerstoff für dessen ‚Verdauung‘ zuführte.

Bei einer Zisterne geschah das automatisch durch die Zufuhr von frischem sauerstoffreichen Regenwasser. Irgendwer musste aber für sein abgeschlossenes Eisspeicher-Biotop zu einem technischen Hilfsmittel greifen, das er nach kurzer Suche in einem Teichshop fand…

Luftpumpe

Die Geheimwaffe gegen Verdauungsprobleme des Eisspeichers: eine Luft-Membranpumpe.

Wenn der Tank nun schon einmal leer war konnte er auch gleich ein paar ‚Blubberkugeln‘ montieren, damit er in Zukunft – sollte sich so ein Zwischenfall jemals wiederholen – gewappnet war.

Sprudelstein

Im Falle des Falles konnte nun Luft über strategisch positionierte Sprudelsteine in den Eisspeicher eingeblasen werden.

Auf jeden Fall war das ‚Verdauungsschnapserl‚ aus hochprozentigem Ethylenglykol (= Sole) genau das Falsche für die sensible Verdauung des Eisspeichers gewesen!

5 Gedanken zu „Ein Ei(s)speicher mit Verdauungsproblemen

  1. Pingback: Autarkie einmal anders | punktwissen

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