Von der gar schauderhaften Geschichte der Elemente und ihren tollkühnen Bezwingern

Die Siedler sind immer auf der Suche nach Inspiration durch Tüftler vergangener Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte.

Da die Beherrschung der vier bis fünf Elemente Erde, Feuer, Luft, Wasser und Eis eine wesentliche Rolle spielt, lag es nahe, eine autoritative Schrift zu konsultieren:

Physik
Eine gemeinverständliche Darstellung
der
physikalischen Erscheinungen
in Ihren Beziehungen
zum praktischen Leben
von
Dr. Alfred Ritter von Urbanitzky

A. Hartleben’s Verlag
1892

Physik, Urbanitzky, 1892

Wo wird das dramatische Wechselspiel der Elemente Feuer und Luft deutlicher als in den erfinderischen Luftfahrzeugen des 19. Jahrhunderts – wie jene der Gebrüder Tissandier?

Ballon der Gebrüder Tissandier

Der Ballon bestand aus gut gefirnißtem Perkal und faßte 1060 Kubikmeter Gas. … Außer dem Anker und dem Ballaste trug die Gondel auch noch einen Siemens’schen Motor, der mit Rücksicht auf seine Bestimmung möglichst leicht construiert war, und eine Chromsäuerebatterie zum Betrieb desselben.

Bei der ersten Fahrt dieses mit Wasserstoffgas gefüllten Ballons suchten die beiden Tissandier sich stets in geringer Höhe (400 bis 500 Meter) über der Erde zu halten, wo an dem betreffenden Tage eine Windgeschwindigkeit von drei Meter herrschte. Indem Sie durch den Elektromotor die Flügelschraube in Bewegung setzten, gelang es ihnen hierbei, dem Winde Stand zu halten, d.h. ein Forttreiben durch den Wind hintanzuhalten.
(S. 298)

Aber die Pioniere der Lüfte wurden nicht nur durch friedliche Motive angetrieben:

Weitaus die größte Anwendung fand der Luftballon, wie allgemein bekannt, während der Belagerung von Paris im deutsch-französischen Kriege 1870-1871. Mit Hilfe des Ballons und der Taubenpost gelang es den Parisern, den Briefwechsel nach außen aufrecht zu erhalten, was jedenfalls einen großen moralischen Erfolg erzielte und dadurch den Widerstand der Belagerten verstärkte.

Weniger erfolgreich waren die Ballons zu Recognoscirungszwecken:

Die Loire-Armee erhielt einen Ballon welcher in Orléans mit Leuchtgas gefüllt und dann an vier Tauen von 150 Mann etwa 10 Kilometer weit nach Saran bei Cercottes hinter die Front der Armee geführt wurde.
(S.302)

Aufklärungsballon nach Tissandier, Geschichte meiner LuftfahrtenSo wie heute geometrische Abmessungen in populärwissenschaftlichen Postillen verdeutlicht werden durch Badewannen oder Fußballfelder, wurden Höhen damals gemessen in Ballonfahrtrekorden oder in …

… der Höhe in welcher Glaisher das Bewustsein verlor
(5. Sept. 1862) – 8838m

Hoehen im VergleichAber noch fehlt die Demonstration der Wissenschaftspoesie on Dr. Ritter von Urbanitzky in ihrer erhebendsten Form. Dies ist auch gleichzeitig jenes Kapitel, in dem es um das Wechselspiel der Elemente Luft, Feuer und Wasser geht – und eventuell auch Eis, wenn man die soeben dokumentierten Eiswolken dazu nimmt.

Notwendige Physik-Vorkenntnisse, um sich im Folgenden nur auf den literarischen Wert konzentrieren zu können: Wie entsteht eine Fata Morgana?

Man kann diese Erscheinungen nämlich …

… z.B. in Aegypten und Ungarn häufig beobachten.

Also hoffen wir natürlich in Pannonien auf dramatische Effekte!

Auch über dem Meere können zuweilen durch eine eigenthümliche Wärmevertheilung so abnorme Dichteverhältnisse in den unteren Luftschichten entstehen, daß vermöge der Luftspiegelung doppelt oder mehrfache Bilder von Schiffen, in der Luft schwebend wahrgenommen werden, und zwar zu einer Zeit wo jene Fahrzeuge des Wassers so sehr entfernt sind, daß sie selbst wegen der Krümmung der Erde noch lange nicht gesehen werden können.
(S. 473/474)

Spiegelung (Totalreflexion) an dichteren Luftschichten

Die alten Sagen von Gespensterschiffen, vom „fliegenden Holländer“, sowie die prophetische Voranzeige von noch nicht in Sicht befindlichen Schiffen durch den früher so sehr bewunderten Leuchtturmhüter auf Isle de France u. dergl. m. finden hierdurch ihre Erklärung.

(S.474)

Und wie phantasiebegabt mussten die Leser damals gewesen sein, um ohne 3D-Animation und HD in folgendem Bild …

Ballon und Schiff im … diese Phänomene zu erkennen:

Als Tissandier im August 1868 von Calais in seinem Ballon aufstieg, sah er unter sich das Meer; die Scene war durch zahlreiche Wolken und Wölkchen begrenzt, die anscheinend auf ebener Fläche zogen, von der einen Seite des Horizontes aufsteigend und sich auf der anderen zerstreuend. Oberhalb der Ballons schwebten in das Violette spielende Massen, welche theils langsam weiter zogen, theils stille zu stehen schienen. Als nun Tissandier den Strand von Dover suchte, der ja nahe genug sein musste, fand er denselben durch einen Vorhang bleifarbener Dünste verhüllt. Die ganze nordwestliche Seite des Horizontes lag als dämmergraues Chaos dar. Ueber sich aber gewahrte er eine weit gedehnte grünliche Dunstschichte – eine Art See in den Wolken.
(S.475)

Jetzt wissen wir, woher die Macher von Pirates of the Carribbean ihre Ideen hatten:

Bald darauf sah er einen kleinen Punkt sich auf dieser Fläche bewegen, und erkannte in demselben dann ein Schiff, so groß wie eine Nußschale, welches umgekehrt auf diesem umgekehrten Meere dahinzog, die Masten wiesen nach unten, der Kiel war nach oben gerichtet. Kurze Zeit später wurde das Spiegelbild des Postdampfers, welcher von Calais nach England steuerte, wahrgenommen, von welchem mit dem Fernrohre selbst der dem Kamine entströmende Rauch zu erkennen war.

Licht aus! Die Märchenstunde für heute ist vorbei!

The Flying Dutchman by Charles Temple Dix

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